Jörg Binnenbrücker von Dumont Venture im Interview mit Sian-Ru Lai

Jörg Binnenbrücker von Dumont Venture im Interview mit Sian-Ru Lai

Sian-Ru Lai: Hi Jörg, es freut mich, dass du beim Interview zugesagt hast, aber noch viel mehr dich im Cookies auch persönlich kennen gelernt zu haben…. Letztes Jahr hast du ja in trade-a-game investiert, die zum letzten Jahresabschluss angeblich einen Umsatz im mittleren einstelligen Millionenbereich hatten. Findest du, dass die Finanzkriese für dein Invest bzw. trade-a-game hilfreich war?

Absolut – und wir haben meines Erachtens noch enormes Wachstumspotential, da gerade in solchen Krisenzeiten private Refinanzierungsoptionen gesucht werden. Daher wird der Markt des „ Re-Commerce“ (Wortschöpfung, die in einem Boardmeeting von TAG entwickelt wurde) absolut massentauglich und Exit-relevant.

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Sian-Ru Lai: Macht sich die „Finanzkrise“ bei euch irgendwie bemerkbar? Nimmt der Dealflow eher zu oder eher ab?

Dealflow wird weniger – das ist richtig. Zudem fallen die Bewertungen wieder auf ein vernünftiges Niveau. Insofern sind diese Downturns zum Teil auch immer „Investorenfreundlich“.

Sian-Ru Lai: Welche Vorteile können Start-Ups aus der Finanzkriese ziehen, und warum sollten Start-Ups gerade jetzt gründen?

Die „gerade jetzt –Thematik“ ist m.E. überstrapaziert. Gute Entrepreneure orientieren sich nicht an Krisen, Zyklen oder sonstigen externen Bedingungen, sondern entwickeln belastbare Geschäftsmodelle in interessanten Märkten und exekutieren diese den Umständen entsprechend. Unsere Aufgabe ist es, diese herausragenden Menschen finden und mit Kapital und Advice zu unterstützen.

Sian-Ru Lai: Ihr habt ja bereits in Internet Start-Ups wie z.B. Livedome und tradoria investiert. Nach welchen Kriterien gehst du bei deinen Investitionen vor? Was muss ein Unternehmen mitbringen, damit du glaubst, dass es “fliegen wird” und sich beteiligen?

Wie gesagt, das ganze ist extrem peopledriven. In den jetzigen Zeiten liegt die Hürde für Startups noch höher. Man möchte ein innovatives Produkt mit deutlichen Wettbewerbsvorteilen, lukrative Märkte, hohe Margen und schnelles Wachstum. Und dass alles sollte prooven sein!! ;-) ) Du siehst – die Latte liegt hoch.

Sian-Ru Lai: Wie werden die Internet Start-Ups von euch unterstützt, außer dass ihnen eine Menge Geld zur Verfügung gestellt wird?

Wir verstehen uns als Partner, Coach und vor allem Kritiker. Man muss sein Business jeden Tag kritisch hinterfragen, um das bestmögliche Ergebnis zu erzielen. Hier versuchen wir in einigen Bereichen wie Online Marketing, legal issues, Controlling, etc. zu helfen. Weiterhin versuchen wir unser Portfolio durch Kooperationen und unsere Medienpräsenz zu hebeln.

Sian-Ru Lai: Die Quote an Firmenaufgaben oder Insolvenzen sind im Internet-Business auch nicht gerade gering. Was glaubst du sind die Kernfaktoren, welche die meisten Gründer nicht im Griff haben oder nicht beachten?

Solche Dinge können wirklich die verschiedensten Ursachen haben. Aber oft liegt es nicht am Produkt sondern an mangelnden Sales-Erfahrungen, die zu Verzögerungen, längeren Sales-Cycles und damit nicht ausreichender Liquidität führen.

Sian-Ru Lai: Man sagt ja so oft, dass ein gutes Team auch aus einem schlechten Produkt ein gutes Business machen kann. Stimmst du dem zu?

Eher nicht. Aber ein mittelmäßiges Produkt mit einem guten Team ziehe ich einem mittelmäßigen Team mit einem guten Produkt vor!

Sian-Ru Lai: Was glaubst du welches Thema derzeit viel zu sehr von uns Investoren & Business-Angels getriggert & gehyped wird?

Blogger hypen, Investoren und Angels screenen und diskutieren!! ;-)

Sian-Ru Lai: Welche Geschäftsmodelle aus dem Internet findest du besonders attraktiv? Und wie stehst du zur Copy-Cat-Mentalität? Ist der Erfolg in USA von einem Konzept wirklich ein Proof-of-Concept?

Zur Zeit stehe ich sehr auf transaktionsbezogene, cashnahe Modelle, da es in diesen Zeiten enorm wichtig ist schnell Traktion zu zeigen und die Burn-Rate gering zu halten. In Bezug auf Copycats bin ich opportunistisch. Es gibt gute und weniger gute. Ein Erfolg in den USA kann ein proof of concept sein – allerdings muss man hier aufpassen, da es erhebliche Unterschiede in den Märkten gibt, die sich auf die kopierten Modelle niederschlagen.

Sian-Ru Lai: Gab es schon mal einen Deal bei dem du es bereut hast ihn abzulehnen? Wenn ja welche Plattform war das?

Ich trage Kontaktlinsen und bin regelmäßiger Kunde von Mister Spex. Wäre ich damals eingestiegen würde ich zumindest einen Investorendiscount bekommen! ;-)

Sian-Ru Lai: Ob wer-kennt-wen.de, facebook oder die Online-Aktivitäten der großen Verlage – ihnen mangelt es nicht an Popularität oder Reichweite, sondern an Einnahmen. Was sind für dich im Bereich Internet die Einnahmemöglichkeiten der Zukunft?

Es wird Firmen geben, die sich auf diese Reichweiten legen und davon profitieren werden. Local Search ist meines Erachtens ein spannendes Feld – viele Firmen, die heute noch im Internet zu Hause sind werden Services und Apps entwickeln, die im mobilen Segment erst richtig zur Entfaltung kommen. Alles in allem bleibt die Zukunft extrem spannend.

Sian-Ru Lai: Stell dir vor, du müsstest selbst Gründen? Was würdest du starten?

Google! ;-) Auf die Frage habe ich keine Antwort. Sobald ich die Erleuchtung hatte und gegründet habe darfst du mich nochmal interviewen.

Sian-Ru Lai: Du bist ja auch ein ehem. HTGF-Investment-Manager. Wie stehst du zum Technologie-Kriterium als Entscheidungsgrundlage?

Beim HTGF habe ich im Bereich NewMedia, Software, Internet gearbeitet. Hier ist es schwierig mit Patenten und neuen Errungenschaften. Internetplattformen sind halt nicht immer auf der Technologieseite unique, sondern überzeugen durch ihr Geschäftsmodell, ihre Skalierbarkeit oder die Art und Weise des neu angebotenen Service. Hier sollte man in der Auslegung eher kreativ sein, um allen vielversprechenden Modellen eine Chance zu geben.

Sian-Ru Lai: Was kann heutzutage im Internet noch als „High-Tech“ bezeichnet werden? Was kannst du Internet-Start- Ups empfehlen, die sich beim HTGF bewerben wollen?

Im „Search-Bereich“ gibt es noch sehr wissenschaftliche Ansätze, die man absolut unter „High-Tech“ einordnen kann. Ich denke, dass der HTGF im Software und Internetbereich durchaus realistisch mit der Thematik umgeht und hier keine Nobelpreisambitionen von den Gründern verlangt (ohne Gewähr!!)

Sian-Ru Lai: Wie sieht ein normaler Sonntag bei dir aus? Und wie hältst du die Balance zwischen Business & Privatleben?

Aufstehen, mails checken, Frühstücken, Family, Sport, Freunde, Lunch, Family, Sport, Freunde, Dinner, Family, Freunde, mails checken

So oder so ähnlich…. Wenn der FC (Köln) Sonntags zu Hause spielt muss ich halt zwischendurch nochmal ins Stadion!

Mehr Informationen zu Dumont Venture:

http://www.dumontventure.de/

Außerdem gibt`s hier noch Video-Interview auf EASN:

Jörg Binnenbrücker von Dumont Venture im Interview mit Sian-Ru Lai

Filed Under: Interviews, Investors & VCs

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