Vitaly Friedman von Smashing Magazine auf der Webinale 2009 in Berlin

Vitaly Friedman von Smashing Magazine auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Designtrends 2009 noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du die Designtrends kurz zusammenfassen?

· Hallo, Sian. Grundsätzlich zeigt sich in Webdesign meiner Meinung nach eine wesentliche Entwicklung: Seiten werden benutzerfreundlicher, häufig mit „bequemen“ Designelementen, mit denen Seitenbesucher ganz einfach und ganz intuitiv umgehen können. Mit der Wiedergeburt des JavaScript in AJAX sind interaktive Elemente wie Carousels, Mega-Drop-Down-Menüs, Rollover-Elemente u.a. wieder in den Blick der Designer geraten. Die letzteren experimentieren gerne mit ungewöhnlichen Ansätzen, etwa bei „Out-of-the-box“-Layouts, die stark auf ein einheitliches visuelles Bild setzen. Darüber hinaus beobachten wir einen starken Trend in Richtung mehrspaltiger Layouts, die häufig raster-basiert sind. Die meisten Layouts haben feste Breite mit 850-1000px.

Sian: Du beschäftigst dich ja viel mit den neuen Web2.0 Themen. Glaubst du etwa dass die Googlesuche demnächst abtreten wird, oder ob der Journalismus nun doch stirbt? Glaubst du dass Twitter die Blogsphäre ablösen wird?

Ich denke nicht, dass die Google-Suche bald abtreten wird, aber sie wird neue Formen annehmen. Mit Wolfram search und Real-Time-Search wie etwa Twitter, sehen wir, dass eine effektive „statische“ Suche nach Information zwar Vorteile bringt, aber vieles außer Acht lässt – etwas das was gerade jetzt passiert und die Menschen bewegt oder betrifft. Der Journalismus wird sicherlich auch nicht sterben: wir brauchen Profis, die sich objektiv, vernünftig und professionelle mit Themen auseinandersetzen können. Man sollte nicht allen Informationen vertrauen, die man bei Bloggern etwa findet – eine gewisse Distanz ist immer angebracht. Und was Twitter angeht – die Blogosphäre wird es nicht ablösen, eher verändern. Das tut es jetzt schon. Twitter ist eine Art der Mikrokommunikation, und diese Form hat seine Vorteile, aber mit 140 Zeichen kann man ja nicht alles sagen was man vielleicht mal sagen möchte.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

Leider bin ich in Berlin nur für einige wenige Stunden angereist, weil ich gerade jetzt sehr viele Termine habe. Ich hätte mir gerne die Vorträge von Jens Meiert, Jens Grochtdreis, Stefan Nitzsche und Michael Jendryschik angehört – leider finden sie entweder am Mittwoch statt oder eben gerade zu dem Zeitpunkt wenn ich meinen Vortrag halte.

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Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

Das ist echt eine schwierige Frage. Eins steht fest: wir werden permanent online sein, egal wo wir sind, und wir werden mit Geräten aus unserem Alltag kommunizieren können - Kühlschränke, Fernseher, Waschmaschinen. Wir werden alles ganz bequem online regulieren und anpassen können, denn jegliche Geräte werden permanent mit Internet verbunden sein.

Technisch gesehen wird das Web zum Semantischen Web werden. Online-Applikationen werden sich bequem aus dem Browser nicht nur auf den Desktop verlagern lassen, sondern auch auf jegliche mobile Geräte, die wir mit uns rumtragen werden. Personalisierung von jeglichen Diensten, aber auch Personalisierung von Inhalten und Shopping-Angeboten wird endlich reif werden und sich perfekt auf unsere Bedürfnisse spezialisieren lassen. Auch Datensynchronisation wird viel effizienter und viel einfacher sein. Soziale Netzwerke werden uns immer noch begleiten, wobei sie zum Standard werden; das Internet selbst wird zum Way of Life. Außerdem werden wir sicherlich von personalisiertem Internet TV begeistert sein und unter Umständen Chinesisch lernen müssen, weil viele Dienste, neue Projekte und Seiten eben nicht mehr auf Englisch, sondern auf Chinesisch präsentiert werden.

Und als Web-designer werden wir uns auf ganz vernünftige Web Standards verlassen können und ganz bequem flexible plattformübergreifende Lösungen basteln können. Das ist eine schöne Vision!

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

Das Letzte Buch das ich gerade vor wenigen Tagen gelesen habe war „Designing for the social Web“ von Joshua Porter. Das ist ein sehr interessantes Buch, das sich mit dem Thema „Social Web“ und „Social Applications“ auseinandersetzt, gute Praktiken und Techniken fürs Design von solchen Anwendungen beleuchtet und auch praxisnahe Anleitungen zur Implementierung in der Praxis bietet.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Danke schön! Gerne!

Mehr Informationen zu Vitaly Friedman

http://www.alvit.de/vf

http://www.smashingmagazine.com

http://www.drweb.de

Vitaly Friedman von Smashing Magazine auf der Webinale 2009 in Berlin

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