Sascha Manuel Hameister von App Aware auf der Webinale 2009 in Berlin
TweetSian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Power
Workshop zu „iPhone-Entwicklung – CocoaTouch, der Nachmittagssnack“ noch
kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten,
was waren die Kernaussage und Key-Notes zu deinem Vortrag in max. 5 Sätzen?
Sascha: Hallo Sian! Seine Kontakte, Termine, Locations, Fotos, Business-Daten, Statistiken,
News, Multimedia-Dateien, Produktiv-Tools, Freunde, Netzwerke, Chats und Spiele –
kurzum alle Daten, mit denen man beruflich oder privat zu tun hat – in die Hosentasche zu
stecken und immer bei sich zu tragen, ist für viele Menschen höchst interessant. Das iPhone
ist eines der mobilen Endgeräte, die das bereits heute ermöglichen. Bei der Entwicklung des
iPhone Betriebssystems und der Entwicklungsumgebung hat Apple besondere Sorgfalt
walten lassen, sodass es für Entwickler nach kurzer Einarbeitung sehr einfach ist auch große
Anwendungen schnell zu realisieren. Da zur Entwicklung lediglich ein Intel Mac benötigt wird
und die komplette Entwicklungsumgebung mit den Programmen iPhone Simulator, Interface
Builder und Instruments Hand in Hand läuft und zudem kostenlos ist, ist die Einstieghürde
sehr gering. Vor der iPhone-Entwicklung sollte niemand Angst haben oder zögern, seine
Ideen zu realisieren, sondern vielmehr dazu beitragen den weitaus mehr als 10 Millionen
iPhone-Besitzern weltweit neue Tools zur Steigerung der Produktivität oder zur Versüßung
der Downtime zu liefern, denn jede Idee hat ihre Zielgruppe und findet mit Sicherheit
Beachtung.

Sian: Wie wichtig findest du es, dass Web-Start-Ups von Anfang an eine iPhone-
Version bzw. iPhone-App haben? Wenn man es nicht schafft einen Killer-App zu
entwickeln, soll man es dann lieber gleich sein lassen?
Sascha: Sicherlich kann das Anbieten einer iPhone-Anwendung den Nutzwert und die
Nutzungsdauer einer (Web-)Anwendung signifikant steigern, jedoch kommt das auf den Typ
der Anwendung an. Daher sehe ich eine iPhone-App nicht als Muss-Kriterium für jedes Web-
Start-Up. Es gilt, im Einzelfall zu entscheiden, welche Funktionen sinnvoll bereitgestellt
werden können und welchen Vorteil der Nutzer und die Anwendung davon haben.
Ich bin überzeugt, dass Jeder mit dem richtigen Partner an seiner Seite eine „Killer-App“
entwickeln kann. Auf Grund der geringen Displaygröße und des angestrebten
Bedienkomforts, besitzt die alte Regel „Weniger ist mehr“ nach wie vor und besonders für
die iPhone-Entwicklung überdurchschnittlich hohe Priorität. Auf einem mobilen Endgerät
kann und soll man nicht alle Features einer Desktop- oder Webanwendung abbilden. Eine
„Killer-App“ kann also eine Applikation sein, die wesentlich weniger bietet als die
Konkurrenz, aber das dafür richtig.
Sian: Glaubst du die Zeit ist gekommen für iPhone-Multiplayer-Games?
Sascha: Definitiv! Das iPhone ist eine enorm spannende Plattform für innovative Spielideen
und Bedienkonzepte. Mit dem neuen iPhone OS 3.0 hat Apple einen weiteren Meilenstein für
Entwickler gelegt, sodass in Zukunft iPhone-Multiplayer-Games wesentlich schneller
entwickelt werden können. Übrigens: Von uns darf man in Kürze auch etwas erwarten!
Sian: Wie stehst du zu Mobile Advertising? Meinst du das steht bei Zanox & Co.
schon auf der Agenda? Begründe.
Sascha: Werbung ist in allen Bereichen des Lebens ein großes und brisantes Thema. Für
Werbekunden ist die Möglichkeit ihre Botschaft auf ein mobiles Endgerät zu bringen, und
somit immer in der Nähe des Endkunden zu sein, meiner Meinung nach ein gewaltiger
Schritt in die richtige Richtung. Gepaart mit Location-based Services und Targeting ist
Mobile Advertisement garantiert ein Thema, das bei alteingesessenen Vermarktern, wie
Zanox bereits weit oben auf der Agenda steht. Das deutsche Start-Up madvertise hat sich
auch genau dieser Thematik angenommen und versucht nun eine deutschsprachige
Alternative zu MobileAd aufzubauen. Ich bin gespannt!
Sian: Was schätzt du? Wieviel % der Deutschen werden 2012 ein iPhone besitzen?
Glaubst du dass in Zukunft auch andere Hersteller die Applications direkt aus dem
AppStore installieren zu können?
Sascha: Ich schätze, dass im Jahr 2012 4-6% der Deutschen ein iPhone haben werden.
Nicht nur auf Grund der vielen Neuentwicklungen diverser anderer Hersteller und den
rapiden Preisfall wird die Anzahl der Personen, die ein modernes, mobiles Endgerät mit
Touchscreen und Internet besitzen werden um ein Vielfaches höher sein.
Dass Apple jedoch den AppStore für andere Hersteller öffnet halte ich derzeit für
ausgeschlossen. Die meisten Hersteller arbeiten momentan an einer eigenen integrativen
Variante des AppStores. Immerhin ist der Anteil der Nutzer, die eine Applikation auf ihrem
iPhone installiert haben, mehr als 15x so groß, wie der bei normalen Handynutzern. Dies
liegt hauptsächlich an der nahtlosen Integration des AppStores und der Qualität des Geräts.
Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden
Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker
findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen
setzen wirst (oder es bereits getan hast)?
Sascha: Während der Webinale finden hier im BCC auch gleichzeitig die PHP Conference und
die Railsway Conference statt. Als regelmäßiger Speaker beim Software & Support Verlag
haben sich in den letzten Jahren einige Freundschaften entwickelt. Besonders freue ich mich
auf Steven Bristol (Railsway Conference), Arne Blankerts (PHP Conference) und Martin
Szugat (Webinale). Hier werde ich sicherlich in der einen oder anderen Session zu finden
sein.
Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der
größte Fehler den du jemals gemacht hast?
Sascha: Mit 18 habe ich mich als Softwareentwickler selbständig gemacht. Alles das, was
neben gutem Coding notwendig ist, habe ich jedoch nicht bedacht. Ein zu geringer
Stundensatz, fehlender Akquiseplan und schlechte Organisation haben mein
Himmelfahrtskommando bereits nach wenigen Monaten beendet. Trotzdem bin ich sehr
dankbar für diese Erfahrung, da ich nachträglich betrachtet die Fehler analysieren konnte
und mit App Aware nun erfolgreich Softwareprojekte realisieren kann.
Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und
Warum?
Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein
Start-Up?
Sascha: Innovation, Agilität, ein hochmotiviertes Team, Überzeugungskraft, das gewisse
Quäntchen Glück.
Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups
pitchen?
Sascha: In den letzten Jahren hatte ich das Gefühl, dass sehr viele Web-Investoren lediglich
in Projekte investierten, die ein CopyCat bereits vorhandener Software auf dem US-Markt
waren. Mein Wunsch ist in diesem Falle auch mein Tipp: Mehr Mut zu Neuerungen, mehr
Mut zu unbetretenen Pfaden, mehr Mut zum Risiko.
Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?
Sascha: 10 Jahre sind eine lange Zeit… Zunächst einmal sehe ich neue Hardware mit der wir
das Internet betrachten. Sie ermöglicht das Browsen, aber mit einer anderen Software.
Vorschläge zur besseren Strukturierung und Speicherung von Daten werden diskutiert und
ein neuer Standard zur Organisation von Daten wird geschaffen sein. Er wird die freie
Sortierung, Formatierung und Transformierung der Daten ermöglichen und ein integriertes
Rechtekonzept besitzen. Dass es in 10 Jahren bereits ein Live-Google Earth oder Second
Life gibt, in dem wir Alles und Jeden jederzeit nach George Orwell-Manier beobachten
können, zweifele ich noch an.
Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million
investieren. Welche wären das?
Sascha: In Deutschland gibt es viele kreative Menschen mit spannenden, innovativen Ideen.
Derzeit würde ich in folgende 3 Start-Ups investieren:
- Bitwig, eine Software zur Musikkreation für Komponisten, Produzenten und DJs
- Betterplace.org, eine innovative Web 2.0 Spendenplattform
- App Aware Mobile Gaming, unser Subbrand mit dem wir Spiele für mobile Endgeräte
planen, entwickeln und vermarkten
Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du
weiterempfehlen?
Sascha: Um neue Blickwinkel kennen zu lernen versuche ich sehr viel zu lesen. Leider fehlt
mir hierzu oft die Zeit. Das letzte Buch, das ich gelesen habe war „Code Craft – The Practice
of Writing Excellent Code“, ein Buch, das ich Entwicklern gerne nahe lege, da es enorm
dabei hilft zu verstehen, wie wartbarer, qualitativ hochwertiger Code sein muss.
Besonders hervorheben und weiterempfehlen möchte ich 37Signals Getting Real, das nicht
nur für Webentwickler und Designer sondern auf für Entwickler von mobilen Anwendungen
sehr lesenswert ist und neue Blickwinkel eröffnet.
Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir
weiterhin viel Spaß auf der Webinale.
Mehr Informationen zu App Aware
http://www.app-aware.de
Filed Under: Interviews
Tags: Madvertise
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