Roy Uhlmann von Qimaya auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Semantic Web, Spreading Business into the Masses noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du in ein paar kurzen Sätzen die Keyfacts deines Vortrags zusammenfassen?

Hallo Sian, da es sich hier um ein noch recht unbekanntes Thema handelt werde ich leider etwas ausholen müssen.

Stell dir die heutige Situation im Web vor. Jedes Portal ist eine Art Insel mit Content- oder Produktangeboten. Google als eine Art Intermediär, wie auch Vermarkter verteilen die Besucherströme, die schlussendlich in Umsatz konvertieren sollen. Wir bezahlen also für relativ ungenaue Werbung, anstatt direkt für verkaufte Produkte. Manchem mag nun sofort Affiliate einfallen, aber das trifft es leider nicht. Denn Affiliate ist weder dynamisch noch voll im Content ausführbar. Adwords und Adsense ist das dynamischste, was es derzeit gibt.

Was macht nun Semantik. Sie führt dazu, dass Daten, zum Beispiel Content oder Produkte wie von einem Mensch erkannt werden können.

Wer diese Daten erkennen kann, der kann sie jedoch auch dynamisch miteinander verknüpfen. Daher wollte ich mit meinem Vortrag vor allem aufzeigen, dass Produkte von eCommerce-Providern mitsamt des Verkaufsprozesses durch Semantik selbstständig und dynamisch in den inhaltlich passenden Content integrieren werden können.

Die besagten derzeit bestehenden Insellösungen, wie auch die Schranken durch Werbung können beseitigt werden. Warum von Website A auf Website B verlinken, wenn doch das Angebot von Website A in B integriert werden kann!? Das Semantic Web führt also dazu, dass ein enormes Netzwerk aus Content- und Produktangeboten entsteht. Produktangebote sind nicht mehr nur auf die Visits des eigenen Portals beschränkt, sondern können über das gesamte Web distribuiert werden. Warum für eBusiness werben, wenn das konkrete eBusiness-Angebot direkt im Content ausgeübt werden kann. Weitaus dynamischer und exakt zum Content passend als das was wir uns heute noch unter Affiliate vorstellen.

Content-Provider generieren hierdurch zusätzliche Einnahmen, indem sie diese Distributionsplätze in ihrem Content verkaufen können. Gleichzeitig erhalten eCommerce-Provider die Möglichkeit eine enorm große Anzahl an Nutzern zu erreichen und zwar direkt am „point of interest”, im Content für den sie Interesse zeigen.

roy-uhlmann-sian-ru-lai-xing2

Sian: Du bist Gründer von Qimaya. Worum handelt es sich bei deinem Unternehmen?

Wie eben schon ausgeführt, stellen wir eine Schnittstelle zur Verfügung mittels deren wir jegliche Content- und eCommerce-Provider semantisch miteinander verknüpfen. Einen semantischen Distributionskanal. Unser Ziel ist es, dass der Nutzer künftig nicht mehr aktiv suchen muss, sondern ausgehend von seiner Einstiegsseite auf der Welle der Information surft, flankiert von jeglichen inhaltlich passenden eBusiness-Angeboten.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

Goethe sagte einmal: „Es irrt der Mensch, solang’er strebt.” Soll heißen, Fehler müssen getan werden um zu lernen, kein Fehler ist umsonst. Insofern fällt es mir schwer DIESEN einen großen Fehler zu benennen.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital”? und Warum?

Kommt auf das Business und noch vielmehr auf den Einzelfall an. Ich fühle mich nicht dazu in der Lage hier eine allgemeingültige Aussage darüber zu treffen. Letztlich sollte man sich immer vor Augen führen wofür das VC-Kapital verwendet werden soll. Für z.B. Marketingaktivitäten würde ich VC-Kapital Bootstrapping keinen Vorzug geben, denn dann scheint mir der USP des Geschäftsmodells nicht ausschlaggebend genug zu sein. Handelt es sich jedoch um technologische Entwicklungen, so ist der Schritt zu VC-Kapital manchmal unausweichlich. Gerade technologische Entwicklungen verschlingen enorme Summen, die selten beim Bootstrapping in der Anfangsphase stemmbar sind.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

Ich denke da gibt es so Viele, die sich hierzu schon sinnvoll wie auch sinnfrei zu geäußert haben. Da sollte ich mich, insbesondere da sich Qimaya selbst im ersten Drittel der Unternehmensphase befindet, nicht auch noch zu äußern.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

Liebe VC´s überlegt euch einmal durch wenn ihr euer Geld verdient. Also schafft diese bescheuerten 5 Minuten Pitches ab und sucht nicht immerwährend das nächste CopyCat, nur weil ihr euch die Fantasie fehlt eine Firma zu bewerten. Ich frage mich, wie es in diesem Umfeld eine SAP schaffen konnte.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

Ich war vor rund zwei Wochen auf dem von Thomas Cook & TourismusZukunft organisierten IdeaCamp auf Teneriffa eingeladen. Unter den 16 Teilnehmern war unter anderem auch Jochen Krisch von Exciting Commerce. Jochen halte ich im Bereich eCommerce im übrigen für einen DER Vordenker. Dort entwickelten wir in kleinen Gruppen verschiedene Thesen zur Zukunft des eTourismus, von welchen jedoch auch einige direkt auf den eCommerce allgemein zu übertragen sind. Die Gruppe, die sich mit den Visionen beschäftigte formulierte unter anderen folgende Punkte, die ich nachhaltig unterstütze.

- Medien-, Device- & Portal- unabhängige Verfügbarkeit von digital vorliegenden relevanten Informationen

- Es werden smart Zugänge entstehen: Weg von Portalen hin zu intelligenten Webzugängen (Schlüssellöchern)

- Weg vom Wettbewerbsgedanken hin zum Partnerschaftsdenken (Collaborative statt. Competitive)

- Vom Full Service zum Best Service (durch modularisierte Angebote)

- Wegfall von Marken/Domaingrenzen: Vernetzte Komplexität/Vertrauen von Marken zu Informationen

- Das Web wird sich selbst organisieren, derzeitige Strukturen verblassen

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

Der Gedanke ist mir zu fern. Ich habe keine 3 Millionen und vor allem keine Zeit an andere Startups und deren Gewinnaussichten zu denken.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

Auf ewige Empfehlung hin das Buch „Tipping Point” von Malcom Gladwell. Wem es nicht gerade auf eine wissenschaftliche Schreibweise ankommt, er aber doch eine kleine Erweiterung der Gedankenwelt erfahren möchte, dem sei es ans Herz gelegt.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Zu guter Letzt möchte ich noch kurz auf eine Veranstaltung am 19.6. in der HomeBase Berlin hinweisen. Im Rahmen des 3. Dresden Future Space wird Qimaya das SemanticCamp mit T-Systems MMS hosten. Das SemanticCamp findet neben dem Workshop Strategie 2.0 und dem Digital Life Pitch statt. Die Sessions des SemanticCamp sind zwar nicht an ein Barcamp angelehnt, da schon festgelegt, jedoch freut es umso mehr, dass wir jeden Interessierten willkommen heißen. Mehr Informationen auch unter http://www.community.dresdner-zukunftsforum.de/dresden-future-space-3

Mehr Informationen zu Qimaya

http://www.qimaya.com

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>