Paul Piper von bazaaria.com im Interview

Sian: Wie bist du auf den Namen und auf die Geschäftsidee gekommen, und was unterscheidet euch von Seiten wie z.B. bimply?

Bazaaria ist ein Marktplatz zum freien Handel im Internet – das Konzept gleicht dabei eher einem Basar als einer Auktionsplattform und hebt sich damit deutlich von dem Gros der Konkurrenz ab.

Die Idee kam mir während des Studiums. Ich selbst bin Autodidakt, gehöre jedoch gleichzeitig zu der Sorte Mensch, die sich des guten Gefühls wegen, trotzdem die Lernunterlagen kauft.  Das wurde damals jedoch schnell zum Problem, da ich zwar fortlaufend neue Bücher beschaffte, diese jedoch nicht wieder loswurde. Mit den großen Plattformen hatte ich schlechte Erfahrungen gemacht und ich fragte mich warum es denn im Internet keinen echten Basar gibt, obwohl es für mich doch die natürlichste Form des Handels ist. Klar, andere Plattformen von Tauschplattformen über Auktionshäusern bis hin zu Anzeigenmärkte gab es, aber so richtig verstanden fühlte ich mich nicht. Bazaaria soll diese Lücke schließen.

Bimply selbst kenne ich leider nur in groben Zügen, soweit ich weiß, steht dort jedoch der Community-Gedanke im Vordergrund. Bazaaria hingegen soll Privatnutzern die Möglichkeit bieten den Tausch & Verkauf so einfach und sicher wie möglich über das Internet abzuwickeln. Unsere Nische sind die „von Privat an Privat“-Geschäfte! Für diese Zielgruppe lohnt sich unser Angebot – an Powersellern haben wir kein Interesse. Die Unterstützung, die wir dabei bieten und die Anreize, die wir für einen sauberen Austausch setzen, sind dabei lediglich die Voraussetzung, nicht jedoch das Ziel der  Unternehmung.

Sian: bazaaria hast du ja sehr professionell & schnell aufgezogen, wem gebührt der größte Dank bzw. wer hat dir am meisten geholfen?

Zunächst einmal vielen Dank für das Kompliment. Ich denke jedoch, dass der Ruhm nicht mir, sondern in erster Linie meinem Team gebührt. Jedes Team-Mitglied ist ein absoluter Spezialist in seinem Gebiet und von dem Erfolg unserer Unternehmung überzeugt. Es mag ein wenig arrogant klingen, aber ich glaube, dass uns alleine das von dem Gros der Masse abhebt. Auf die Frage wem der größte Dank gebührt, kann ich also nur ganz klar sagen: Jenni, Adrian, Dejan, Lukas, Niko und Jan.

Natürlich haben wir aber auch eine große Reihe von externen Unterstützern. Sehr viele Leute sind uns wohlgesinnt, zeigen Verständnis für unsere Belastung oder sind so toll wie unsere eigenen Kunden. Letztere beleben nicht nur die Plattform, sondern weisen uns stetig auf Schwachstellen hin.

Zu guter Letzt jedoch darf man gewiss auch nicht unsere Kritiker vergessen. Auch wenn es weh tut, so helfen Sie uns doch, uns immer weiter auf unsere Stärken zu fokussieren und das Angebot weiter auszubauen. Genau daher soll die Kritik jedoch unser Ansporn sein.

Sian: Wie ist deine Meinung zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

Wie alles im Leben, ist es auch mit der eigenen Kapitalisierung eine schwierige Sache. Die Vorteile von VC-Kapital liegen auf der Hand: man bekommt eine gewisse Planungssicherheit, zumindest bis zur nächsten Kapitalisierungsrunde, kann theoretisch im Bereich des Marketing aus den Vollen schöpfen und hat, fast automatisch, bei den Medien ein stärkeres Standbein, da ein VC in der Regel bereits andere Startups erfolgreich aufgebaut hat – mit fremden Lorbeeren schmücken ist auch hier erlaubt, da es ja um die eigene Reichweite geht.

Gleichzeitig verrennt man sich bei VC-Kapital hingegen häufig in der Sicherheit. Ein VC rät  zum schnellen Wachstum und um das zu ermöglichen, begehen viele den Fehler immer mehr eigene Kompetenzen aus der Hand und externen Ratgebern zu geben. Dies kann gut gehen, ist in der Regel aber ein Spiel mit dem Feuer, da es dazu verleitet weniger selbst zu denken und zu konzeptionieren.

Aber auch das Bootstrapping, also das Gründen mit wenig Kapital, hat so seine Tücken. Wer denkt, dass es auch nur ein einzelnes Startup komplett ohne Kapital geschafft hat, ist leider auf dem Holzweg. Die Präsenz bei den Medien ist zu Beginn gleich null, man wird auch extern nur als Startup X wahr genommen und ohne Kapital sieht es auch mit der Kundenakquise mau aus. Einziger Ausweg: man muss besser sein! Das wiederum, ist leider leichter gesagt als getan und ohne ein dickes Fell, Durchhaltevermögen und ein wenig an Arroganz grenzender Überzeugung gewiss nicht möglich.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up? & Welche Tipps würdest du einem Start-Up geben? Und was sollte ein Gründer auf jeden Fall wissen?

Ich denke, dass sich jeder Gründer bewusst sein muss worauf er sich einlässt und dass er ein dickes Fell braucht. Es ist interessant zu sehen, dass die Meinungsmacher im Netz in den seltensten Fällen selber einmal gegründet haben. Daher ist es auch kaum verwunderlich, dass etliche Gerüchte einem ein falsches Bild von der Branche geben.

Zunächst einmal sollte man nie erwarten, dass ein Startup durch irgendein mystisches Event zum Erfolg wird – besonders nicht das Eigene. Wenn man im Web viel Unterwegs ist, so wirkt jede Erfolgsgeschichte so, als wäre sie von Beginn an genauso geplant und eingetreten. Auch wenn dies eine tolle Vorstellung ist und keiner davor komplett gefeit ist (seien wir ehrlich, jeder Gründer hofft darauf), so muss man sich immer wieder vor Augen halten: (1) Es gibt keinen Big-Bang der zum Erfolg hilft! Man sollte seine Zeit also lieber darauf verschwenden stetig und konsequent an den Kampagnen und dem eigenen Angebot als auf einen Zeitpunkt hin zu arbeiten.

Des Weiteren unterschätzt man gerne, wie anstrengend es ist sich der täglichen Kritik zu stellen. Gerade zu Beginn wird man entweder gar nicht oder nur negativ wahrgenommen. Die Kritik, dass man eben (noch) nicht zu den Großen gehört ist dabei so selbstverständlich wie auch unnötig. Das sollte einem aber unter keinen Umständen davon abhalten sich dennoch klar als ein Mitbewerber zu platzieren und mutig den jetzigen Status Quo als solchen zu bewerben – egal ob man selbst anders denkt, der Kunde wird es nicht zu schätzen wissen, wenn man von seiner tollen Firma der Zukunft spricht. (2) Stell dich der Kritik und lerne also damit umzugehen – bewirb immer den Status Quo.

Für deine Kunden ist es zudem extrem wichtig, dass du eine klare Stellung beziehst. Man sollte klar von seinem Angebot sprechen und dies konsequent ausbauen. Sobald man sich dazu verleitet sieht vielleicht auch andere Geschäftsmodelle oder Funktionen in die Plattformen einzubauen, die ja ach-so-praktisch sind, so sollte man schleunigst vor die Tür und klare Gedanken sammeln. Der Weg wird gewiss nicht dadurch einfacher, dass man sich selbst mit anderen Konzepten und Funktionen ablenkt – der Kunde wird dies nicht verstehen und man selbst vermutlich auch nicht nutzen. Definiere lieber klar deine Zielgruppe – wenn diese zu Beginn noch nicht klar ist, taste dich an diese ran und fokussiere dich immer weiter. Bedenke: (3) Nur wer seine Zielgruppe kennt, kann mit seinem Angebot punkten.

Außerdem ist es von enormer Wichtigkeit ein gutes Netzwerk zu besitzen. Auch wenn man dies selbst viel zu wenig mitbekommt, so sind es häufig wohlgesinnte Bekannte, die das Unternehmen vorwärts bringen. Gerade auch zu Beginn kann das eigene Netzwerk helfen die richtigen Medien anzusprechen, die richtigen Blogs und Webseiten ausfindig zu machen oder Rabatte zu ergattern. Daher: (4) Kenne dein Netzwerk und baue es konsequent aus. Ein netter Plausch auf einer Messe kann schon mal den Unterschied machen zwischen einem guten Backlink und keiner Resonanz.

Zu guter Letzt, aber vermutlich am wichtigsten, ist für mich die Erkenntnis, dass der eigene Erfolg immer von der persönlichen Reichweite abhängt. Egal ob eingekauft oder selbst hart erarbeitet, das was erfolgreiche Unternehmen von den kleinen Startups abhebt ist die Kunst (5) Reichweite zu genieren und Meinungen zu schaffen. Es klingt so einfach und doch muss man sich erst verdeutlichen, dass man erst mit steigender Reichweite relevant genug ist für die großen Medien, Blogs und Webseiten. Diese Relevanz muss man jedoch konsequent selber schaffen – man sollte also keine Gelegenheit auslassen, egal wie winzig, dies zu tun.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast für das spitzen Interview!

Mehr Informationen zu Bazaaria:

http://www.bazaaria.com/

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