Martin Szugat von SnipClip auf der Webinale 2009 in Berlin

Martin Szugat ist einer der Gründer von SnipClip, einer Plattform für virtuelle Online-Sammelalben, und Sprecher auf der Webinale zum Thema Virtuelle Güter. Darüber hinaus gestaltet er die Webinale im Rahmen des Advisory Boards inhaltlich mit.

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag über Virtuelle Güter noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du den thematischen Schwerpunkt der Webinale in 2-3 Sätzen zusammenfassen? Auf welchem Gebiet liegt der Fokus?

· Die Webinale richtet sich an Webdesigner, Entwickler und Geschäftsleute und möchte sie an einem Ort zeitgleich zusammenbringen, so dass man sich über die neuesten Trends, aber auch über konkrete Herausforderungen über Fachgrenzen hinweg austauschen kann. Die Konferenz setzt auf Themenvielfalt und auf eine ganzheitliche Sichtweise. Das spiegelt auch das Thema der Konferenz wieder: das Web ist ein äußerst vielseitiges Phänomen, das die unterschiedlichsten Menschen zusammenbringt.

Sian: Viele Webunternehmen haben Probleme bei der Monetarisierung. Eine Möglichkeit bieten Virtuelle Güter. Doch was sollte man dabei beachten? Was ist wichtig, damit diese von den Nutzern angenommen werden?

· Damit Nutzer reales Geld für virtuelle Güter ausgeben, muss das Unternehmen einen echten Mehrwert bieten. Unser Unternehmen SnipClip vermarktet beispielsweise so genannte Virtual Collectibles in Online-Communities wie MySpace und Facebook. Die Nutzer sammeln bei uns digitale Sammelobjekte ihrer Lieblingsmusiker, Sportler oder Filme, ähnlich wie bei den populären Panini-Alben, die es zu den Fußballmeisterschaften gibt. Der Mehrwert für den Nutzer liegt zum einen im Sammeln selbst. Sammeln ist ein unterhaltsamer Zeitvertreib und das Tauschen von Sammelobjekten fördert die Kommunikation. Zum anderen sind die Sammelalben Ausdruck der eigenen Persönlichkeit und fungieren auch als soziale Statussymbole.

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Sian: Was ist deiner Meinung nach der Entscheidende Faktor, dass man in einer geschlossenen Community virtuelle Güter verkauft bekommt oder nicht?

· Engagement! Die Nutzer müssen sich intensiv mit dem Produkt bzw. der Community identifizieren und beschäftigen. Das ist gar nicht so leicht. Man muss den Nerv treffen und das verlangt eine intensive Auseinandersetzung mit den Bedürfnissen der Nutzer. Im Rahmen von SnipClip haben wir hierzu beispielsweise dutzende Sammler und Social Network-Nutzer interviewt.

Sian: Glaubst du daran, dass „der Verkauf von virtuellen Güter“ auch langfristig ein tragfähiges Geschäftsmodell ist? (bezugnehmend auf die volkswirtschaftlichen Aspekte)

· Ja, davon bin ich überzeugt. Zwar wird behauptet, virtuelle Güter stellen keinen realen Wert dar, aber die Diskussion geht am Kern der Sache vorbei. Vertrauen der Konsumenten in eine Marke ist auch kein realer Wert. Nichtsdestotrotz ist ein positives Markenimage sehr wertvoll. Virtuelle Güter entfalten ähnlich wie Markenklamotten ihren Wert jedoch erst in einem bestimmten Kontext, indem sie in diesem Kontext eine Funktion erfüllen. Die Funktion kann temporär sein, so dass das virtuelle Gut irgendwann sein Wert verliert, oder von Dauer sein und sogar den Wert steigern, wenn es beispielsweise mehr Interessenten als virtuelle Exemplare gibt.

Sian: Was glaubst du daran dass es ein Vertical gibt bei dem der Verkauf von „Virtual Good“ besser funktioniert als bei Online-Games?

· SnipClip konnte im Rahmen einer Studie zeigen, dass der Verkauf von virtuellen Gütern in virtuellen Welten besser funktioniert als in Social Games, also Online-Spielen auf Facebook, MySpace & Co. Außerdem monetarisieren Social Games wiederum 10 Mal besser als Social Apps wie beispielsweise den Facebook Gifts, bei denen keine Gaming-Mechanismen eingebaut sind. Es bestätigt sich also: um so höher das Engagement, um so höher der ARPU. Andererseits erreichen Social Games und Social Networks weitaus mehr Nutzer als virtuelle Welten.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

· Ich fand alle Vorträge sehr interessant! Sonst hätte ich sie ja auch nicht auf die Webinale gewählt. Leider hatte ich nicht die Zeit, sie alle zu besuchen. Bei sieben parallelen Vortragsreihen auch ein Ding der Unmöglichkeit. Besonders gefallen hat mir natürlich der Startup-Day, auch deshalb weil es mich persönlich als Gründer betrifft und ich bei der Organisation mit Herzblut dabei war.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Allgemein: Dinge zu machen, von denen ich nicht hundertprozentig überzeugt war. Die gehen meist in die Hose und dann ärgert man sich doppelt. Zum einen, weil es nicht geklappt hat und zum anderen, weil man Zeit verschwendet hat.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Einen gesunden Mittelweg halte ich für sinnvoll. Beim Bootstrapping lernt man den Wert des Geldes zu schätzen, weil man begreift, wie schwierig es ist, Geld zu bekommen. Und es diszipliniert zum Sparen. Das ist immer sinnvoll, in guten und in schlechten Zeiten. Außerdem kann man als Gründer mit seinem Unternehmen wachsen. Erst durch Projektgeschäft lernt man, wie eine Plattform beschaffen sein muss, um erfolgreich zu sein. Viele Unternehmen haben mit Projekten begonnen, dann Produkte entwickelt und sie schließlich zur Plattform ausgebaut. VC-Kapital hilft dabei diesen Prozess zu beschleunigen. Abkürzen sollte man ihn nicht.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· Um einen befreundeten Business Angel zu zitieren: das Team. Das Team. Das Team. Das kann ich aus meiner eigenen kurzen Gründerzeit bestätigen. Das Team entscheidet – über Erfolge und Misserfolge.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

· Investoren Tipps zu erteilen – soweit sind wir noch nicht! Wir sind aber froh über Tipps VON Investoren! Einen Geheimtipp habe ich noch: SnipClip ;)

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

· In 10 Jahren? Keine Ahnung! Ich weiß nicht mal, ob das Internet in 10 Jahren überhaupt noch relevant ist. Persönlich finde ich es spannend zu sehen, wie globale und langfristige Trends wie der Klimawandel oder die Energiekrise die Gesellschaft und damit auch das Internet verändern werden.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

· SnipClip. SnipClip. SnipClip. Ich würde alles auf eine Karte setzen und wenn ich schon alles auf eine Karte setze, dann auf eine, die ich in der Hand habe.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

· Ich glaube, das letzte Buch, das ich von Anfang bis Ende durchgelesen habe, war ein BWL-Kompaktkurs ;-)

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu SnipClip

http://www.snipclip.com

Filed Under: Interviews

Comments (1)

Me September 22nd, 2009 at 17:25    

“Ich glaube, das letzte Buch, das ich von Anfang bis Ende durchgelesen habe, war ein BWL-Kompaktkurs” … na, da muss das ähmm, Snip dingens, ja ein großer Erfolg werden. *grins*

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