Mario Grobholz von myON-ID Media GmbH auf der Webinale 2009 in Berlin
Mario Grobholz von myON-ID Media GmbH auf der Webinale 2009 in BerlinSian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu „Monitoring, Managing and Marketing your Online Identity“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, was macht myON-ID? Und warum glaubst du denn, dass Personal Branding heutzutage ein Erfolgsfaktor ist?
· Hi Sian, klar mache ich gerne.
· Also die myON-ID Media GmbH betreibt die Plattform für Eigenmarketing myonid.de. Das Portal ist als Monitoring-Tool für die eigene Online Reputation gestartet und hat mittlerweile ein ganzes Maßnahmenbündel für die berufliche Selbstvermarktung etabliert. Der Name myON-ID, englisch für “meine Online-Identität”, beschreibt unser Programm: hier stellen sich Nutzer als Marke dar und nehmen damit ihr Personal Branding im Netz selbst in die Hand.
· Im Internet nur präsent zu sein, wird zukünftig allein nicht mehr ausreichen, weil gerade die junge Generation längst in Social Networks aktiv ist. Für Menschen, die berufliche Ziele verfolgen, geht es darum, sich ideal zu positionieren und auf sich aufmerksam zu machen. Also ihren Personal Brand aktiv aufzubauen und zu gestalten. Wer heute sein Online-Image nicht kennt, geht sorglos mit einer wichtigen Ressource – seiner Person als Marke – um. Umgekehrt profitieren diejenigen, die bewusst und gezielt ihre eigene Person im Internet präsentieren von der Kraft des “sozialen Netzes”.

Sian: Wie wichtig ist es vor allem für Start-Ups auf ihr Image im Internet zu achten bzw. wie wichtig ist Personal Branding für Start-Ups?
- Reputation Management im Internet ist längst nicht nur eine Angelegenheit für große Unternehmen oder bekannte wertvolle Marken. Welcher Vertriebsmitarbeiter – und das sind wir doch alle als Gründer eines Start-Ups – würde denn nicht gerne von potentiellen Kunden angerufen werden, ohne direkt Akquise machen zu müssen? Das Geschäft wird aber nur derjenige machen, der das Internet als „Vertriebskanal” wirklich versteht und diesen Kanal für sich aktiv gestaltet. Die Basis dessen bildet die eigene Reputation – und die muss langfristig aufgebaut und ständig gepflegt werden. Insofern ist gerade für junge Unternehmen eine eindeutige und einwandfreie Reputation von großer Bedeutung. Große Unternehmen beauftragen hierfür meist professionelle Online-Marketing Agenturen. Mit myON-ID können nun auch Gründer wie Du und ich ihr Marketing in eigener Sache bequem online gestalten.
Sian: In der heutigen Flut an Informationen im Internet ist es für eine Einzelperson sehr schwer die Daten über sich zu überwachen. Wie geht man vor, wenn man nicht möchte, dass bestimmte Einträge zum eigenen Namen angezeigt werden?
- Die Auffindbarkeit bei Google, neudeutsch „Googleability“ ist also Ausgangspunkt für einen Dritten um sich ein Bild von Ihnen zu machen. Das managen der eigenen Daten wird immer aufwendiger und durch Schnittstellen zwischen den Diensten immer dynamischer.
- Primär ist zu unterscheiden ob die Daten von mir selbst oder von einem Dritten online gestellt wurden. Zudem sollte man wissen, dass Suchmaschinen wie bspw. Google Daten „lediglich“ finden und zusammentragen, diese in aller Regel nicht speichern. Für ein dauerhaftes löschen muss also immer die originäre Quelle angesprochen werden, ansonsten wird Google den Inhalt immer wieder finden und anzeigen.
- Wenn es um Daten geht die ich selbst beeinflussen kann, bspw. auf meinem Blog, meinem Twitter Account oder in meinem Facebook Profil, dann sollte man sich einfach „nur“ bewusst darüber sein, dass die Informationen öffentlich dauerhaft für jedermann zugänglich sind. Daher empfiehlt es sich nach dem Motto zu handeln „Think before you poste!“. Im Zweifelsfall kann ich meine Inhalte oder meine Profile auch immer löschen.
- Bei Daten die von Dritten über mich als Person eingestellt werden, ist es deutlich schwieriger diese zu kontrollieren. Zuallererst muss ich Kenntnis davon erlangen, dass es diese Information gibt. Dazu kann ich mich täglich selbst „googlen“ oder ganz bequem myON-ID regelmäßig nach neuen Fundstellen zu meinem Namen suchen lassen. Wenn dabei Inhalte zu Tage treten, die mir unangenehm sind oder gar beleidigend wirken, dann muss ich mich immer an den Betreiber der Seite wenden. Das kann mitunter ganz schön zeitaufwendig und nervig enden. In vielen Fällen wir es zu einem Scheitern des Vorhabens kommen, denn eine rechtliche Grundlage gibt es dafür kaum.
Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?
- Ich finde jeden Vortrag interessant der über Dinge berichtet die noch nicht zig-mal in der Presse behandelt wurden. Es muss einen Grund geben den Vortrag live zu sehen, denn ansonsten kann ich mir auch die Pressmitteilung des Unternehmens durchlesen oder die Slides bei Slideshare anschauen.
Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?
- Mein erster beruflicher Fehler war, dass ich damals in der ersten Phase der „New-Economy“ nicht selbst ein Unternehmen wie Google, eBay oder Amazon gegründet habe. Der zweite war, dass wir bei myON-ID nicht Twitter erfunden haben.
Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?
- Low-Budget-Model Finanzierungen, wie man das „Bootstrapping Prinzip“ beschreiben kann, haben klare Vorteile in Bezug zum Risiko einer Gründung. Erst wenn ein Businessmodell erwiesenermaßen funktioniert verspricht es dauerhaft profitabel zu werden und als Business Bestand zu haben. An diesem Prinzip sollten sich auch Internet Start-Ups messen lassen. Im Gegenzug läuft man bei einer Low-Budget Finanzierung jedoch Gefahr nicht schnell genug zu wachsen um sich daraus einen Wettbewerbsvorteil erarbeiten zu können. Ich denke es kommt bei dieser Frage also stark auf das Unternehmenskonzept an.
Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?
· Ein gutes und eingespieltes Gründer-Team
· Die Fähigkeit eine gute Idee, perfekt umzusetzen und brilliant zu vermarkten
· Ein Erlösmodell welches auf mehr als einer Säule steht
· Ausdauer, Motivation und Überzeugung
- Kapitalgeber und Partner die das Geschäft verstehen
Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?
· Es gibt ein Leben neben und nach Twitter
· Geschäftsmodelle müssen auch ohne Werbung tragfähig sein
· Die Grenzen zwischen Netzwerken und Diensten werden aufbrechen. An diesen entstehen neue interessante Unternehmen und Services.
· Schaut Euch myON-ID genau an
Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?
· Das ist eine Frage die wirklich nur schwer zu beantworten ist. Wer hätte denn geahnt, dass „Public-SMS“ (Twitter) eine derartige Veränderung für die ganze Branche mit sich bringt?
· Ich rechne fest damit, dass die Grenzen zu geschlossenen Systemen und Diensten immer weiter aufbrechen. Dadurch werden neue Dienste und auch neue Geschäfts- und Erlösmodelle entstehen.
· Es wird zukünftig nicht mehr um die Anzahl von Page Impressions gehen. Werbung als Erlösquelle wird natürlich bestehen bleiben aber damit eine andere Abrechnungsgrundlage erhalten.
· Noch mehr als heute, werden die Nutzer zu Produzenten – von mehr oder weniger belanglosen Inhalten. Die Anerkennung Dritter („Follower, Likes, …“) wird zur neuen „sozialen Währung“. Diese Meinungsführer gewinnen in jedem Segment an Bedeutung, sowohl für die Community als auch die Industrie.
· Google wird nach wie vor die Nummer #1 sein. Microsoft wird immer noch hinterherlaufen und Yahoo wird es nicht mehr als eigenständiges Unternehmen geben.
Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?
- Lustige Frage. Ich kann hier natürlich nur die Start-Ups nennen, die es derzeit öffentlich gibt. Sicherlich gibt es ein paar ganz heisse Kandidaten die noch „closed“ sind. Deshalb sorry dafür, wenn ich Euch nicht nenne.
- Natürlich würde ich die erste Million in myON-ID investieren. Die zweite würde ich Dropbox geben und die Dritte ginge an Spotify.
Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?
- Die Google-Story, von David Vise, Mark Malseed, Bernd Rullkötter, und Friedrich Griese
Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.
Vielen Dank für das nette Gespräch!
Mehr Informationen zu my ON-ID
http://blog.myonid.de/
Mario Grobholz von myON-ID Media GmbH auf der Webinale 2009 in BerlinFiled Under: Interviews
Comments (1)
[...] gefreut mal wieder ein paar alte WEB.DE Kollegen zu treffen. Das ein oder andere Gespräch mit Bloggern und Journalisten war auch [...]
Leave a reply