Marco Fischer von „Die Firma GmbH“ auf der Webinale 2009 in Berlin

Marco Fischer von „Die Firma GmbH“ auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Alles digital! – Digitale Kommunikation erhebt Führungsanspruch im B2B-Bereich noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen der Kommunikation im B2B und der Kommunikation im B2C Bereich?

· Prinzipiell gibt es da keine. Die Erkenntnisse, die in der Consumer-Kommunikation gesammelt wurden und werden, können auch auf den B2B-Bereich übertragen werden. Leider nutzen die Unternehmen diesen Umstand kaum, oder setzen die Möglichkeiten unüberlegt oder unprofessionell ein. Natürlich muss man die B2B spezifischen Besonderheiten, wie unterschiedliche Geschäfts- und Marktprinzipien und das Zusammenspiel der verschiedenen Käuferprofile bedenken. Das Internet bietet gerade hierin für Unternehmen ein riesiges Kommunikationspotential. Doch dazu genügt es nicht eine einfache Visitenkarte ins Netz zu stellen. Das ist im B2C-Markt schon angekommen und zeigt sich deutlich an der Verschiebung der Etats in Richtung digitale Kommunikation. Unser sonst so fortschrittliche Mittelstand hinkt da eindeutig hinterher.

Sian: Sie sind Inhaber und Geschäftsführer von „Die Firma“, die Neckermann zum fünften mal in Folge für Neckermann ein Casual Game aufsetzt. Was waren hier die größten Herausforderungen, und wie habt ihr diese gemeistert?

· Neckermann geht es darum, auf möglichst kostengünstige Weise neue E-Mail-Adressen und Kontakte für ihren Newsletter zu generieren. Man kann natürlich Adressen kaufen, doch das ist teuer und die Qualität ist größtenteils fraglich. Wir konnten Neckermann beweisen, dass es wesentlich kostengünstiger ist, über gut gemachte Casual Games, an wirklich qualifizierte Leads zu gelangen. Dafür muss das Game aber klar aus der Masse der im Netz angebotenen kostenlosen Spiele herausstechen und auch der Gewinnanreiz sollte ausreichend hoch sein. Die hohen Nutzerzahlen und unzähligen Feedbacks, die wir und Neckermann auf die liebevoll gestalteten Casual Games (http://casualgames.diefirma.de/) bekommen haben, zeigen, dass das wohl richtig gemacht haben.

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Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

· Oje, schwierige Frage. Eigentlich interessiert mich nahezu jeder Vortrag. Auf dieser Konferenz kommen unterschiedliche Sicht- und Denkweisen zusammen und werden in einen großen Topf geworfen, der fast schon überkocht. Aber genau das ist das spannende, denn wir diskutieren hier die Zukunft der Kommunikation und Kommunikation ist die wichtigste Ressource in unserem Jahrhundert.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Ich war schon immer von Design und Kommunikation fasziniert und habe mich zu spät mit der wirtschaftlichen und finanziellen Seite des Business beschäftigt. Doch genau darin liegt der Schlüssel zum Erfolg, diese beiden Pole harmonisch miteinander zu verbinden. Das übe ich gerade noch! J

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Wenn Du damit meinst, lieber erstmal loslegen, eine Software programmieren und dann abwarten, was die Netzgemeinde damit macht, zum Unterschied sich ein Geschäftsmodell auszudenken, einen Businessplan zu erstellen und den Leidensweg des Geldeinsammelns zu begehen, dann kann ich nur sagen: ich weiß es nicht. Beides ist schon vorgekommen, beides hat seine Berechtigung, beide Seiten können Erfolg haben oder nicht. Das ist extrem von der Idee abhängig und davon, ob die Zeit reif ist für diese Idee. Prinzipiell bin ich aber der Überzeugung, dass erfolgreiche Entrepreneure sich vor allem durch die Umsetzung eines Geschäftsmodells auszeichnen, das ist wesentlich mehr als eine bloße Idee, die funktional umgesetzt wurde.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· Unsere Agentur ist Mitglied bei den Business Angels Frankfurt Rhein Main (http://www.ba-frm.de/) und wir haben uns in unserer 11-jährigen Vergangenheit schon an einigen Startups beteiligt, oder Startups auf ihrem Weg kommunikativ begleitet. Business Angels sind meiner Ansicht nach fast der beste Weg, um nicht nur an Kapital, sondern auch an Netzwerke und unterstützendes Know-how zu gelangen. Aus diesem Erfahrungshintergrund kann ich jedem nur raten, sein Geschäftsmodell von allen Seiten hinterfragen zu lassen und auf das wesentliche zu konzentrieren und zumindest ein, zwei erfahrene Leute im Management-Team zu haben. Alles andere ist harte Arbeit, hohe Identifikation und extreme Motivation, die es einem ermöglicht zwei bis drei Jahre am Existenzminimun zu leben.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

· Nur Geschäftsideen weiterverfolgen, die nicht auf Werbefinanzierung setzen und die nicht damit rechnen, irgendwann ihre „Community“ teuer verkaufen zu können. Das hat den Investoren schon 2000 das Genick gebrochen und wird es wieder tun. Außerdem wird sich auch die Finanzlandschaft durch die Weltwirtschaftskrise in den nächsten Jahren extrem verändern. Es werden sich nur Geschäftsmodelle nachhaltig am Markt etablieren, die ihren Nutzern langfristig einen eindeutigen Mehrwert oder Nutzen liefern.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

· Dazu gibt es einen schönen Vortrag auf TED-Talks (http://www.ted.com/index.php/talks/kevin_kelly_on_the_next_5_000_days_of_the_web.html) vom Wired-Mitbegründer und Zukunftsforscher Kevin Kelly: Predicting the next 5000 days of the Internet. Sollte sich jeder mal anschauen und selbst Gedanken dazu machen. Ich persönlich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass wir durch Cloudcomputing, Medienkonvergenz, Semantic Web und Ubiquitous Computing eine neue Art „Weltbewusstsein“ erzeugen, dem jeder angeschlossen ist und Informationen nicht nur entnimmt sondern auch eingibt.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

· Wir investieren gerade in ein Startup namens „publicbox“ (http://www.public-box.de/), dem würde ich sehr gerne eine dieser Millionen geben. Ansonsten würde ich die verbliebenen 2 Millionen lieber noch weiter aufteilen und Seedfinancing bei interessanten kleineren deutschen Startups betreiben, die kein Geschäftsmodell aus den USA kopieren, sondern beweisen, dass gerade auch in Deutschland intelligente Köpfe die Zukunft des Internets mitentwickeln.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

· Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Geschäftlich habe ich mich mit dem herausragenden Ratgeber „presentation zen“ von Garr Reynolds auseinander gesetzt. Absolut empfehlenswert für jeden der beruflich präsentieren muss. Parallel dazu „Fluchtgeschwindigkeit“ von Paul Virilio, ein medienkritischer Essay aus den 90er Jahren. Auch mal interessant, sich mit den negativen Seiten der „Teletechnologien“ auseinanderzusetzen und schön zu sehen, dass die vorangegangenen Propheten nicht immer recht haben! J Zur Zerstreuung kann ich nur Tommy Jauds „Resturlaub“ empfehlen. Direkt aus dem Leben gegriffen und herrlich amüsant in seiner so gar nicht virtuellen Bodenständigkeit.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu Die Firma GmbH

http://www.diefirma.de

Marco Fischer von „Die Firma GmbH“ auf der Webinale 2009 in Berlin

Filed Under: Interviews

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