Joel Kaczmarek von Gründerszene im Interview mit Sian-Ru Lai

Joel Kaczmarek von Gründerszene im Interview mit Sian-Ru Lai

Sian: Wie ich gehört habe bist du neuer Redaktionsleiter bei Gründerszene, wie bist du dazu gekommen?

· Wie so oft im Leben: Durch persönlichen Kontakt, ein wenig Glück, aber auch durch eine gute Portion Commitment. Ich hab Kolja über die „D-School“ kennen gelernt, eine innovative Denkfabrik, die SAP-Gründer Hasso Plattner in Potsdam eingerichtet hat. Er hat mir Tipps zu einem unserer Projekte gegeben und so kamen wir in Kontakt. Ich hab mir daraufhin seinen Blog angesehen, und fand die Investments von Team Europe klasse. Ich steh halt total auf B2C-Plattformen und da gibt es ja einiges hier. Wie das so ist im Web, hangelt man sich dann immer tiefer in die Szene und so keimte die Saat der Gründungsbranche auch in mir :-) . Also rief ich Kolja an, schrieb einen Probeartikel (den über Betterplace) und der Stein kam ins Rollen.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Glücklicherweise kann ich sagen, dass ich immer so viel Engagement und Passion aufbringe, dass krasse Misserfolge bisher ausblieben. Das Einzige, was mich etwas wurmt, ist ein Projekt, das sich um Energievisualisierung drehte. Wir hatten ein super Kontaktnetzwerk und die Idee war sehr gut, dennoch ist kein Follow-Up daraus entstanden. Aber ich finde, man kann allem etwas Positives abgewinnen. In dem Fall habe ich gelernt, dass es Herzblut erfordert, um eine Idee zu vergolden. Und bei besagter habe ich einfach nicht den inneren Drive gespürt. Die eigene Gründungsidee ist wie eine Freundin: Man muss sich bedingungslos lieben und jeden Tag den Willen aufbringen, alles für diese Beziehung zu geben :-) .

Sian: Wie ist deine Meinung zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Ich denke, das ist eine Frage, die man individuell beantworten muss. Je nach Idee macht es Sinn, sich VC zu holen oder eben nicht. Gewisse Ideen kommen ohne Kapital unter Umständen überhaupt nicht aus. Will man z.B. hoch bei Google ranken und hat für die relevanten Begriffe starke Konkurrenz, verfeuert man schon ordentlich Kohle, die ja irgendwoher kommen muss. Dann gibt es wieder Seiten, die anfangs ohne Geld auskommen. Ich kenne Communities, die auf mehrere Millionen Mitglieder angewachsen sind und lange Zeit auf privaten Rechnern liefen, die zu Servern umfunktioniert wurden. Generell würde meine Devise lauten, so lange wie möglich ohne VC auszukommen, weil man sich auf die wesentlichen Dinge konzentriert, wenn das Geld knapp ist und weil man auch nicht so viele Anteile abgeben muss, wenn man erst später auf externe Investoren zurückgreift. Vor allem darf man aber eins nicht vergessen: Venture Capital dreht sich nur bedingt um die monetäre Komponente. Ein großes Kontaktnetzwerk, Teamaufrüstung und einfach die Expertise eines Online-Erfahrenen sind eine eigene Währung für sich, die man dazu erhält.

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Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· Ein gutes Team, was in erster Linie Heterogenität und Harmonie bedeutet. Man muss sich gut ergänzen, aber auch mal streiten können.

· Eine gute Idee. Ich halte wenig von Copy Cats, es sei denn, man macht es à la Konfuzius: „Übertreffe Deinen Meister“. Manche Ideen sind gut, aber die Umsetzung ist schlecht. Grundsätzlich finde ich es aber besser, wenn man sein eigenes „Baby“ hat.

· Passion und Commitment sind ebenfalls unerlässlich. Schließlich verbringt man rund drei Jahre in Askese, da sollte die Sache wenigstens Spaß machen :-) .

· Fairness und Professionalität sind auch unerlässlich. Ich bin für absolutes Commitment und ein Fan von Nutzerzentriertheit. Der Nutzer ist Kunde und der Kunde ist ja bekanntlich König.

Sian: Welche Tipps würdest du einem Start-Up geben?

· Fokussiert euch auf das Wesentliche und entschwebt nicht in unerreichbare Sphären. Und vor allem knüpft Kontakte! Vitamin B hat bis heute nicht an Einfluss verloren. Denn Geld sollte auch nicht immer der Einzige Motor sein. Mir hat mal jemand geholfen und gesagt, ich möge doch auch mal jemandem helfen. So was nennt man Karma soweit ich weiß, oder „What goes around, comes around“.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups (die nicht älter sind als 12 Monate) jeweils 1 Million investieren. Welche wären das? (dich selbst natürlich ausgeschlossen)

· Ich glaube, ich würde eher nach Branchen gehen, weniger nach konkreten Start-Ups. Monetarisierung von Communities ist ein spannendes Feld. Vor allem aber auch alles was mit Mobile Content zu tun hat. Applications fürs iPhone können mit kleinem Geld ziemlich fliegen.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

· Ich hab zu Recherchezwecken vom amerikanischen Flirtguru Mystery sein Buch gelesen „Wie Sie jede Frau verführen“. Okay, ein bißchen Neugierde war auch dabei, aber das war z.B. ein gutes Buch, weil es sich auf viele soziale Kontexte übertragen lässt. Mein Evergreen ist sonst „The Catcher in the Rye“.

Sian: Stell dir vor es würde kein Internet geben, wo würdest du denn dann arbeiten?

· Die Stelle als Schutzbeauftragter des Great Barrier Reef fand ich nicht schlecht… Aber im ernst: Es wäre was, dass viel Abwechslung bietet und mit Menschen zu tun hat. Mit den Händen arbeiten finde ich auch toll.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast!

Mehr Informationen zu Gründerszene:

http://www.gruenderszene.de/

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[...] muss zugeben, dass ich seit neuem verstärkt gruederszene.de verfolge. Gestern hat Joel (von dem es hier auch ein Interview gibt) ein gutes Video veröffentlicht von David Heinemeier Hansson, der bei 37signals [...]

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