Florian Bailey von User Centered Strategy auf der Webinale 2009 in Berlin

Florian Bailey von User Centered Strategy auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu „Social Design und Viralität: Wenn Applikationen von selbst wachsen“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, was sind deiner Meinung nach die entscheidenen Faktoren für SaaS-Applikationen damit diese die Chance haben von selbst zu wachen

Grundsätzlich sollte eine Applikation auch einem einzelnen User Mehrwert bieten, aber umso mehr sie einen kommunikativen oder kollaborativen Ansatz enthält umso stärker kann sie viral wachsen. Es ist ein bisschen so als wenn man Microsoft Office mit Google docs vergleicht, Office benutze ich meistens alleine, zu Google Docs lade ich weitere Nutzer ein zur Zusammenarbeit. Es gibt viele weitere einzelne Faktoren aber das ist eigentlich der Kerninhalt der häufig dahinter steht.

Sian: Welches der existierenden Social Apps für facebook findest du am erfolgreichsten? Und was für Apps fehlen deiner Meinung nach noch auf facebook?

Viele sind erfolgreich, am nettesten finde ich die ganzen Applikationen von Playfish, die sind zwar ohne Ausnahme Spiele aber sie beweisen, dass nicht nur grottenhäßliche buggy software auf Facebook erfolgreich sein kann. Wenn man sich ansieht was für eine unglaubliche Reichweite sich Playfish damit in einem Jahr aufgebaut hat wird einem das Potential bewusster.

Es fehlen viele Apps, aber häufig liegt das auch daran das sie einfach nicht funktionieren würden, Facebook ist kein Allheilmittel nicht alles funktioniert dort. Aber nachdem sich die Plattform ständig erweitert und umbaut gibt es auch immer neue Nischen.

Sian: Durch deine Arbeit mit/für facebook kannst du die existierenden Plattformen ja realtiv gut vergleichen. Was glaubst du wie sich StudiVZ bis 2020 entwickeln wird? Glaubst du Portale wie joinr haben in der heutigen Zeit in Deutschland noch die Chance studiVZ schneller als facebook zu überrennen?

Da joinr ein Kunde ist, wir viel auf Facebook arbeiten und hoffentlich bald auch auf StudiVZ mehr machen, ist es etwas schwierig darauf zu antworten. Im grundsätzlichen würde ich es so beantworten, Facebook ist nicht das Ende aller anderen Social Networks, es gibt für jede Nische und Zielgruppe das Potential ein Netzwerk am Leben zu halten. Für joinr z.B. sehe ich Facebook nicht als Problem, für StudiVZ eher. Alle Netzwerke die nur Freundesbeziehungen abbilden und keinen funktionalen thematischen Mehrwert bieten haben mit Facebook ein Problem.

Würde StudiVZ sich stärker von Facebook abgrenzen und sich darauf fokussieren der studentische Haupttreffpunkt zu sein und auch von den Features und der Content Integration mehr in diese Richtung bewegen, würde der Druck von Facebook kleiner werden. Da im Idealfall User beides nutzen würden und es nicht als austauschbar wahrnehmen würden.

Ich könnte mir übrigens eine StudiVZ Applikation auf Facebook vorstellen bzw. andersherum eine Integration von Facebook Feeds in StudiVZ.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

Den Improv Everywhere Vortrag werde ich mir mit Sicherheit ansehen, damit haben sie ja quasi eine globale Bewegung geschaffen.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

Da gibt es sicher viele. In letzter Zeit? Von einer Funktion als externer Berater in ein Startup Team zu wechseln, dieser Positionswechsel ist schwieriger als ich zuerst dachte und ich habe es in dem Fall nicht gut hinbekommen. Als Berater hat man immer eine Position des fröhlichen Allwissens da man einen guten Überblick hat und nur wenig selbst umsetzen muss. Wechselt man aus dieser Position in ein Team kann sich leicht die Erwartung aufbauen den gleichen Überblick zu behalten und alles umzusetzen, das funktioniert eben nicht so gut.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

Beides hat seine Berechtigung, es kommt auf die Art des Startups, das Ziel und die Gründer an. Da eine pauschale Entscheidung zu treffen ist auf jeden Fall falsch. Mir persönlich ist Bootstrapping sympathischer weil es mehr Improvisationstalent erfordert, meistens schneller ist, näher am User stattfindet und den Gründern mehr Möglichkeiten lässt. Wenn es ohne externe Mittel aufgebaut wurde, muss ein Unternehmen eben keine Millionen abwerfen oder sterben, sondern kann auch als kleines Unternehmen weiter leben. Aber Sympathie sollte nicht die Basis für eine Entscheidung sein.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

Ich mache nur Top 10 Listen, Top 5 sind mir zu undifferenziert. Scherz beiseite, die Gründer. Die Anforderungen an Startups sind so unterschiedlich je nach Bereich. Ich habe Startups kennengelernt wo ich dachte das keiner der Gründer eine Ahnung hat was sie tun, aber wo ich nach zwei Wochen festgestellt habe was für ein großartiges extrem schnell lernendes Team dahinter ist. Der nächste Faktor ist wie nah die Startups an ihren Usern sind und wie eng sie mit Usern für User entwickeln. Der Rest ist nur Wissen und das kann man dazukaufen, bei uns oder bei 500 anderen.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

Ach ich denke jeder weiß in welche Richtung sich alles bewegt, die Schwierigkeit ist nicht angreifbare, wachsende Business Modelle zu finden. Ansonsten Social SaaS, Mobile und Hyperlocal finde ich gerade spannend, wobei mir alle zwei Tage etwas aus einem anderen Bereich einfällt, so gesehen was weiß ich schon.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

Augmented Reality in Verknüpfung mit Hyper Social und Mobile ist der spannend. Der Rest wird erschreckenderweise so ähnlich wie heute aussehen. Bestimmte Bereiche haben sich auch in den letzten 10 Jahren nur sehr wenig verändert, man darf nicht unterschätzen das das Internet in manchen Bereichen sehr ausgereift ist, wir sind nicht mehr am Anfang der Revolution.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

Ich würde in 6 Startups 500.000 investieren, welche das wären… schwierig. Aber zu wenig deutsche Startups lösen ein bestehendes Problem oder verbessern etwas Bestehendes radikal, da würde ich nachsehen.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

Edge.org „What have you changed your mind about“ und “What will change everything” sehr unterhaltsam und inspirierend.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu UserCenteredStrategy

http://www.usercenteredstrategy.de/

Florian Bailey von User Centered Strategy auf der Webinale 2009 in Berlin

Filed Under: Interviews

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