Christoph Bornschein von „Torben, Lucie und die gelbe Gefahr GmbH“ auf der Webinale 2009 in Berlin
TweetSian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu „Social Media, eine Marketingform überholt den Markt“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, worum ging es in deinem Vortrag in max. 2-3 Sätzen?
· Prinzipiell ging es darum darzustellen, dass viele Marken nicht bereit sind in sozialen Medien mit ihren Kunden zu kommunizieren, weil es an den entsprechenden Kommunikationsmodellen fehlt, die vorsehen, seinem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen, da er unter Umständen auch Werbeträger innerhalb seiner Möglichkeiten werden könnte. Vielen Unternehmen wird erst sehr spät klar werden, dass es im Internet für sie nicht sichtbar ein konstruktives Gespräch über sie gibt, das ihnen verschlossen bleibt.

Sian: du betreibst seit knapp einem Jahr deine eigene Kommunikationsagentur, konntest du auch in dieser kurzer zeit eine Änderung des digitalen Kommunikationsmarktes wahrnehmen oder ist alles gleich geblieben?
· Wenn sich nichts verändern würde, würde ich wahrscheinlich heute etwas anderes machen. Aber im Ernst, vieles hat sich verändert und so ist es heute im Gegensatz zu vor einem Jahr beispielsweise möglich, Kunden mit Hilfe von branchengleichen Showcases zumindest mal zu zeigen, was im Rahmen ihrer Branche möglich wäre. Leider werden viele der wirklich gut gemachten Cases nach wie vor in den USA gemacht, was nicht an mangelnder Kreativität der Agenturen hier, sondern viel mehr am mangelnden Bewusstsein vieler Unternehmen für das Thema liegt. Man kann da insoweit schon von einer Wissensschere sprechen.
Sian: was ist aktuell der Fokus bei der digitalen Kommunikation bzw. welche maßnahmen sind erfolgreich?
· Die Frage ist mir ehrlich gesagt etwas zu pauschal, weil es ja auf die konkrete Mission des Kunden ankommt, was für diese am besten funktioniert. Althergebrachte Online-Marketing-Tools wie Affiliate-Marketing und SEM behalten ja insgesamt ihre Berechtigung. Wenn du damit Trends meinst, dann sind das sicherlich soziale Applikationen, Empfehlungsprinzipien und allgemein Ansätze, die dialogischer sind, als man das bisher gemacht hat. Im Bereich Crowd-Sourcing passiert viel Gutes, wie man an LEGO sehen kann, es muss aber nicht immer eine gute Idee sein, wie das Wahlkampf-Signet von Frank-Walter Steinmeier beweist.
Sian: Glaubst du dass Social Media Marketing nur ein Hype ist oder langfristig gegenüber offline Kommunikation bzw. traditionelle Kommunikation bestehen kann?
· Ich bin 100% davon überzeugt, dass sich der ganze Bereich Social Media schon schnell zum Standard entwickeln wird, da ich im Gegensatz zur Klassik zwei für den Kunden wichtige Dinge tun kann, die einen Kampagnenerfolg anfassbar machen: ich kann zu jeder Zeit genau monitoren, wie meine Kampagne wirkt und habe so immer eine Kosten/Nutzen-Rechnung und ich habe einen Rückkanal vom Kunden aus. In den Belegschaften großer Agenturen kann man ja schon sehen, dass die Sparten „New/Social Media“ auf Kosten der Klassik wachsen. Das ist aus meiner Sicht nur ein erster, früher Indikator, was uns da noch bevorsteht.
Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?
· Gestern konnte ich leider keinen der Vorträge sehen, da wir, TLGG, für unseren Kunden Frogster hier die Subkonferenz „Virtual Worlds Camp2“ organisiert haben und ich dort vor Ort war. Dieses Thema, Martin Szugat, hat es heute morgen hier auch aufgegriffen, interessiert mich augenblicklich sehr: gebrandete virtuelle Güter in der Werbung und zur Kundenbindung in sozialen Netzwerken.
Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?
· Spontan würde mir kein richtig großer Mißerfolg einfallen, aber den schwärzesten Tag weiß ich noch: den hatte ich als ich letztens mal in unsere Webstatistiken schaute und feststellen musste, dass jemand unsere Firmen-Seite mit der Suchwortkombination „Christoph Bornschein bekloppt“ gefunden hatte.
Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?
· Dazu habe ich keine Meinung. Bootstrapping entspricht mir persönlich mehr: man hat früher Stress und muss sich bewähren. So zeigt sich wenigstens sehr schnell, ob ein Geschäftsmodell funktioniert. VC-Kaptial würde sich für mich immer anfühlen, als hätte ich einen Riesenkredit abzutragen.
Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?
· 1. Ein Geschäftsmodell vom ersten Tag an, 2. Niedrige Anlaufinvestitionen, 3. Überdurchschnittlicher Nutzwert der Geschäftsidee und Alleinstellung dieser, 4. Solides, kompetentes Gründerteam, 5. Kommerzieller Start-Showcase möglichst nah nach Gründung.
Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?
· Nicht jeder Pitch macht rich!
Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?
· Schwere Frage, ich glaube das Internet wird in seiner Nutzung lebenswichtig werden, gerade soziale Netzwerke und damit verbundene Dienste, gleichzeitig aber aus der Wahrnehmung etwas mehr verschwinden, da es normal werden wird, dass alles online passiert, man gleichzeitig aber unterwegs ist. Die mobile Nutzung sozialer Netzwerke wird auf jeden Fall noch mal alles gründlich ändern und jede Menge neuer Nutzungsmöglichkeiten hervor bringen.
Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?
· Ich würde die 3 Millionen behalten, in kein Start-up investieren und mir so den Stress eines Investors ersparen, zwar einen Anteil zu halten, aber zum Geschäft selbst nichts beitragen zu können.
Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.
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Comments (1)
[...] gegeben und zwar eines bei createordie.de, also beim Veranstalter der webinal selbst und das andere bei Sian-Ru Lai, der für die Gründerszene dort unterwegs war. An alle Teilnehmer des VWC2 und Zuhörer meines Vortrages noch mal ein großes Dankeschön, wir [...]
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