Benjamin Florian Roos von Jobmensa im Interview mit Sian-Ru Lai
Benjamin Florian Roos von Jobmensa im Interview mit Sian-Ru LaiSian: Wann und wie sind Sie auf die Idee gekommen sich selbstständig zu machen. Und wie kamen Sie zu der Jobmensa-Idee?
Andy und ich haben an der WHU in Vallendar studiert und dort wird die quasi ab der ersten Vorlesung eingetrichtert, das Gründen doch eine echte Alternative zur Karriere als Investmentbanker oder Berater ist (und das war auch schon vor der Krise so). Myvideo.de, onvista.de, hitflip.de oder käuferportal.de sind nur einige – insgesamt gab es in den letzten 3 Jahren mehr als 25 WHU-startups. Ich habe mal versucht alle unter https://www.xing.com/net/whustart-ups/ aufzulisten. Die bekanntesten Gründungen sind wohl Jamba und Alando.de, das spätere Ebay Deutschland. Von diesem Gründergeist haben wir uns einfach schon ganz am Anfang des Studiums anstecken lassen. Ich glaube die eine Hälfte des Studiums haben wir nach der einen perfekten Idee gesucht und die andere Hälfte nach einem passenden Investor. Wir haben uns sehr viele Idee angesehen, sehr viele selbst wieder verworfen und für einige, die wir als gut erachtet haben keinen Investor gefunden. Damals noch mit den Jungs von www.käuferportal.de zusammen. Aber Andy und ich wollten von Anfang an was für die Studenten machen, ähnlich wie ihr. Denn man kommt direkt aus der Zielgruppe, weiß welche Probleme die Suche nach einem Studentenjob manchmal bereiten kann, wie viel Zeit man in die Bewerbungsunterlagen steckt, wieder und wieder, so könnte ich jetzt noch lange weiter machen. Kurz und knapp: Wir wollten ein Problem lösen, dass wir selber hatten, nämlich die Suche nach einem passenden Studentenjob erleichtern.

Sian: Für eine Gründung braucht man Kapital. Wie finanziert sich Jobmensa.biz?
Wenn man so jung wie wir es sind gründen will, bleiben einem eigentlich nur zwei Möglichkeiten, die Familie oder Investoren. Denn viele Gründerdarlehen in Deutschland sind an enorme Auflagen geknüpft, für eine Bank ist man nicht vertrauenswürdig genug, da man noch keine Sicherheiten besitzt und selbst hat man noch nicht genug Kapital anhäufen können, da einem die Zeit fehlte. Gerade bei einem Internet-Startup ist die Zahl der Investoren begrenzt – eigentlich gibt es nur drei große Anlaufstellen, die einem nicht nur Geld sondern auch Wissen und ihr Netzwerk bieten können. Man sollte mit allen drei einmal gesprochen haben, denn es ist ein „People Business“, man muss einfach schauen, mit wem man am besten zurecht kommt und wo man auf einer Wellenlänge ist – denn letztenendes basiert die gesamte Idee auf Vertrauen, Vertrauen in die Idee und besonders in die Gründer selbst.
Sian: Welche Hindernisse mussten Sie auf dem Weg in die Selbstständigkeit überwinden?
Die Idee zu finden, dauert lange, aber mit ihr steht und fällt alles ohne eine wirklich richtig gute Idee, sollte man nicht gründen, die Finanzierung ist der zweite Punkt und dann kommt der Papierkram. Eigentlich wollten wir ür nachfolgende Gründer ein kleines „How to beat german bureaucrazy“ schreiben, aber dann waren doch andere Dinge wieder dringender.
Sian: Jobbörsen gibt es mittlerweile so einige. Was entscheidet Jobmensa vom restlichen Angebot der Online Jobbörsen?
Der Matching Algorithmus: Der Grundgedanke des Matching Algorithmus liegt darin, dass sowohl Unternehmen als auch Studenten immer weniger Zeit haben, nach einem passenden Studentenjob z.B. In Berlin zu suchen. Jobbörsen gibt es viele und die meisten zeigen ähnlich einer zeitung alle Stellenangebote als Liste an. Als Student bin ich erst mal 2 Stunden beschäftigt bis ich die 10 Studentenjobs gefunden hab, die in meiner Stadt sind, meinen Qualifikationen entsprechen, den passenden Stundenlohn abwerfen und mir vielleicht sogar Spaß machen. Die Bewerbung läuft dann immer gleich ab. Bewerbungsunterlagen zusammentragen, alles raus an das Unternehmen und warten. Wir wollten die Prozess schneller und effizienter machen. Studenten können quasi einmal sämtliche Suchkriterien angeben und wir übernehmen dann die Suche für sie. Auch ihre Bewerbungsunterlagen für den Studentenjob können Sie alle bei uns zentral verwalten und sie mit einem Mausklick den Unternehmen zuschicken. Unternehmen haben den Vorteil, dass ihr Studenten-Jobangebot nicht öffentlich ist und sie somit nicht eine Woche lang mit Anrufen bombadiert werden ob z.B. das Studienfach Medienwirtschaft für den Studentenjob in Köln auch okay ist anstatt BWL, oder ob eine Bewerbung für einen Studentenjob in München auch ohne Zeugnisse möglich sei, oder ob bei gefordertem fließendem Englisch bei einem Studentenjob in Hmaburg, auch Grundkenntnisse in Englisch für den Studentenjob ausreichend seien…und und und. Bei uns geht das Studenten-Jobangebot nur an passende Studenten und wir treffen somit nicht nur für die Studenten sondern auch für die Unternehmen eine rudimentäre Bewerbervorauswahl – sozusagen Stellenangebote für Studenten inserieren leicht gemacht.
Sian: Welche Marketingspielart verfolgen Sie mit Jobmensa.biz um Ihr Unternehmen bekannt zu machen?
Man muss zwischen dem Marketing auf Unternehmens- und Studentenseite unterscheiden. Die Studenten holen wir größtenteils online ab, und zwar genau dann, wenn sie konkret nach deinem Studentenjob in ihrer Unistadt suchen. Die Unternehmen rufen wir hingegen ganz klassisch an, allerdings stellen wir auch hier den ganz klaren Trend fest, dass Unternehmen sich online umschauen, wo die Studenten sind, und dann dort auch Anzeigen direkt schalten.
Sian: Sehen Sie durch die Finanzkrise konkrete Gefahren auf Ihr Unternehmen zukommen. Oder könnte die Krise für Jobmensa.biz vielleicht sogar nützlich sein?
Wir haben das große Glück im Sommer 2008 kurz bevor die Finanzkrise in ihrer ganzen Wucht zuschlug, eine sehr gute Finanzierung durch Holtzbrinck Ventures erhalten zu haben. Start-Ups die jetzt gerade eine Anschlussfinanzierung suchen, für die wird es schwer. Gute Startups finden aber immer noch gutes Geld zu einer angemessenen Finanzierung. In gewisser Weise hilft uns die Finanzkrise hier das semiprofessionelle potentielle Konkurrenten keine Finanzierung mehr erhalten. Ein gutes Beispiel hierfür ist Spreadshirt die im letzten atomaren Finanzierungswinter eine Blütezeit erlebt haben. Ohne Konkurrenz kommt es auch zu keinen harten Preiskämpfen. Dadurch, dass sich die Unternehmen entscheiden können, nur bei erfolgreicher Vermittlung zu zahlen und Studenten eine gute Möglichkeit sind, Personalengpässe zu überbrücken, zählen somit gerade die Studenten in gewisser Art und Weise sogar zu den Gewinnern der Finanzkriese.
Sian: Sie treffen den Bundeswirtschaftsminister – was würden Sie sich für den Gründungsstandort Deutschland von ihm wünschen?
Oft gehört, immer wieder passend: Weniger Bürokratie. Wir haben fast 2 Wochen nur damit verbracht und bei allen möglichen Ämtern und Registern eintragen zu lassen. Die Anwaltsgebühren und Notarkosten verschlingen Unsummen. Finanzierungen unter 30.000€ rechnen sich wirtschaftlich fast gar nicht, da fast 10% nur an Gebühren anfallen.
Sian: Was würden Sie beruflich machen, wenn Sie sich nicht mit Jobmensa selbständig gemacht und kein Start-up gegründet hätten?
Da ich schon während meines Studiums ständig nach einer guten Idee und der passenden Finanzierung gesucht habe, hätte ich dies auch nach meinem Studium getan, um die richtige Idee zum Gründen zu finden. Die Zwischenzeit hätte ich mit einer Doktorarbeit zum Thema Entrepreneurship, einer Anstellung in einem Start-up oder einer Stelle als Investment Manager bei einem großen Internet VC versucht zu überbrücken.
Sian: Gab es bereits Momente in denen Sie den Schritt sich selbständig zu machen bereut haben?
Viele meiner Freunde unterliegen dem Irrglauben, dass gründen cool oder sexy wäre. Im Grunde ist es aber einfach harte Arbeit – 14-16h am Tag und das 6 Tage die Woche ist keine Seltenheit. Man muss einfach Lust haben selbst etwas aus dem nichts zu erschaffen – nur das erfordert sehr viel Zeit und Mühe. Dabei bleiben natürlich die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens auf der Strecke, wie Freunden Familie oder Hobbies. Ich denke schon oft an die „gute alte Zeit“ als Student zurück, in der ich Zeit für mehrere studentische Initiativen, Handball, Tennis und freie Wochenende hatte und diese Zeit wünscht man sich dann schon ein wenig zurück. Das sind dann die schweren Momente und in diesen stillt sich durch die harte Arbeit davor hoffentlich wieder ein kleiner Erfolg ein, der einen wieder motiviert und von neuem pusht.
Sian: Sie haben eine Million Euro zur persönlichen Verfügung: Was machen Sie mit dem ganzen Geld?
Einen kleinen Teil würde ich wohl für meinen Doktor zurücklegen, um auch in dieser Zeit finanziell unabhängig zu sein. Den Rest würde ich jeweils zur Hälfte in junge Start-Ups stecken und zur anderen Hälfte in Form von Mikrokrediten Unternehmern in Entwicklungsländern zur Verfügung stellen.
Sian: Wie verbringen Sie einen schönen Sonntag?
Ausschlafen, lange frühstücken, ein wenig Sport und dann mit meiner Freundin was unternehmen.
Sian: Haben Sie persönliche Idole oder Vorbilder?
Da gibt es sehr viele: Generell Menschen, die versucht haben, unter den gegebenen Bedingungen, das Beste aus sich und aus ihrem Leben zu machen, sich nie haben unter kriegen lassen und sich niemals auf dem erreichten ausruhen und die daran glauben, dass nur harte Arbeit auch zum Erfolg führt. Gute Beispiele wären Ludwig Erhardt, Nelson Mandela aber auch Oliver Samwer.
Sian: Mit wem würden Sie sich gerne einmal auf einen Kaffee oder ein Bier verabreden?
Ich würde mich gerne mal mit Steve Jobs über die Anfänge von Apple unterhalten, wie es damals war in der garage im Silicon Valley zu sitzen, mehr Hippie als Unternehmer und was er sich von früher noch bewahrt hat.
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