Marco Hamburger von idivus im Interview mit Sian-Ru Lai
TweetSian: Du hast gerade eben idivus mit gegründet bzw. hattest gerade eben deinen offiziellen Launch. Gratulation! Wie fühlst du dich?
- Seit heute sind wir offiziell online. Mit idivus gehen wir ein Tabuthema im Netz an. Ich bin einerseits erleichtert, dass jetzt alles läuft, und andererseits sehr gespannt, wohin die Reise geht.

Sian: Wie seid Ihr auf den Namen und auf die Geschäftsidee gekommen?
- Naja, den Gedanken hatten bestimmt viele Nutzer schon mal, die viele Accounts und Inhalte besitzen. Was ist, wenn mir mal etwas passiert? Sollen meine Angehörigen meine Profile löschen oder weiterpflegen? Woher wissen sie überhaupt, welche Accounts ich hatte? Das weiß ich ja teilweise selbst kaum.
- Weil wir idivus-Gründer schon selbst Fälle im Umfeld erlebt haben, in denen jemand unerwartet gestorben ist, kamen wir auf die Idee, einen Onlinedatenspeicher mit der Möglichkeit einer Nachlassverwaltung zu kombinieren. In dem Moment, wo der Fall der Fälle eintritt, bekommen die vorher definierten Vertrauenspersonen Zugriff auf die Daten.
- Der Name idivus leitet sich von lateinisch “divus” ab, was für “ewig”. Dies soll den Gedanken der Übertragung des digitalen Nachlasses an die Angehörigen unterstreichen.
Sian: Die Plattform idivus sieht ja schon ganz gut aus, was sind die Hauptfeatures, die die User erwarten, die deine neue Plattform noch nicht kennen?
- Die Funktionen lassen sich in drei Bereiche unterteilen. Zunächst geht es darum, alle wichtigen Login- und Kontaktdaten in einem Onlinesafe zu sichern. So kann man immer und von überall darauf zugreifen, wenn man sie mal benötigt. Im zweiten Schritt stellt der Nutzer die Weitergabe dieser Daten an eine oder mehrere Vertrauenspersonen sicher, für den Fall, dass ihm einmal etwas zustößt. Hier kann er auch Nachrichten hinterlassen und festlegen, was mit den einzelnen Daten geschehen soll. Der Dritte Bereich verbindet die Familie und Freunde untereinander, was eine große Hilfe ist, weil man in dieser Situation sicherlich andere Sorgen hat, als Kontaktdaten von Freunden zu recherchieren, von denen man nur den Namen kennt. Dadurch, dass alle Kontaktdaten gespeichert sind, können die Vertrauenspersonen alle Freunde und Bekannte schnell und einfach informieren und dauerhaft mit ihnen in Kontakt bleiben.
Sian: Was waren bis jetzt deine größten Hürden um idivus auf die Beine zu stellen?
- Die Programmierung haben wir in Zusammenarbeit mit einem Team im Ausland gemacht, was sowohl sprachliche wie kulturelle Herausforderungen mit sich brachte. Das war eine interessante Erfahrung. Aber im Endeffekt haben wir ein gutes Produkt auf die Beine gestellt.
Sian: Und wem gebührt der größte Dank bzgl. idivus?
- Peter, unser IT- Spezialist im Team, hat in den letzten Wochen Großartiges geleistet und unermüdlich mit unserem ausländischen Partner die letzten Bugs ausgemerzt, so dass wir unseren geplanten Starttermin einhalten konnten.
Sian: Wie ist deine Meinung zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital”? und hast du mit idivus auch noch vor VCs mit an Board zu nehmen?
- Das war eine der entscheidenen Fragen für uns. Nachdem wir bei voran gegangenen Web-Projekten einen enormen Aufwand für die Geldgebersuche betrieben haben, wollten wir diesmal schnell in den Markt. Die Idee ist gerade mal 3 Monate alt. Unser Focus war ganz klar darauf gesetzt, den Dienst in einem selbst zu finanzierenden Rahmen zu launchen, auch wenn wir deshalb funktionell erstmal einige Einschränkungen hinnehmen mussten. Um alle unsere Ideen in Bezug auf Technik und Kooperation möglichst bald umzusetzen, haben wir in den nächsten Monaten weiteren Finanzbedarf. Eine Deckung für BA oder VC-Partner können wir uns hier vorstellen.
Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren im Online-Marketing für ein junges Start-Up?
- Speed
- Focussierung auf eine Kernidee
- gute Vernetzung zu Medien und pot- Kooperationspartnern
- ein Team mit Vollgasmentatilität (und ohne künstlerische Extravaganzen)
- eine langfristige Vision
Sian: Was sind die News, die ihr über euer Unternehmen in den Nachrichten lesen wollt? Wie würde diese Schlagzeile aussehen?
- Ich denke, dass idivus ein eher dezentes, sehr intimes Thema behandelt, das nicht für einen Medienhype geeignet ist. Wir wollen aber erreichen, dass das Thema “digitale Nachlassregelung” regelmäßig in den Medien diskutiert wird. Eine Schlagzeile, die wir in zwei, drei Jahren gerne lesen würden, wäre “Umfrage ergibt: Jeder zweite Internetnutzer in Deutschland hat eine digitale Nachlassregelung.”
Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?
- Da ich beim Lesen gerne entspanne und mich in andere Epochen begebe, lese ich gerade “Die Kathedrale des Meeres” von Ildefonso Falcones, gefällt mir sehr gut.
Sian: Stell dir vor es würde kein Internet geben, was für ein Start-Up hättest du dann gegründet?
- Eins das ich in Zukunft als Altersprojekt noch gründen werde
Ich habe schon seit einigen Jahren eine Idee im Kopf, die jedoch enorme finanzielle Mittel erfordert, zu 95% offline stattfindet und in Richtung Hotelerie, Gastro und Wellness geht.
Mehr Informationen zu idivus:
Filed Under: Friends & Family, Interviews
Comments
No Comments
Leave a reply