Sebastian Sieglerschmidt von 7trends im Interview mit Sian-Ru Lai

Sebastian Sieglerschmidt von 7trends im Interview mit Sian-Ru Lai

Sian: Seit der Gründung 2008 habt Ihr bis jetzt ja einen grandiosen Start hingelegt! Was ist das für ein Gefühl so schnell so erfolgreich zu werden, und sein eigener Chef zu sein?

  • Aus meiner Sicht geht nichts darüber, sein eigener Chef zu sein. Das ist natürlich eine Typfrage. Mir macht es einfach großen Spaß, eigene Ideen und Vorstellungen direkt verwirklichen zu können. Besonders schön ist es natürlich, wenn man dann auch noch Erfolg dabei hat. Und noch schöner ist es, wenn man durch ein so tolles Team unterstützt wird, wie dies bei 7trends-Enamora der Fall ist.

Sian: Ihr habt vor demnächst die 8-stellige Umsatzmarke zu knacken. Mit welchen Marketingkanälen habt ihr besonders gute Erfahrungen gemacht? Und was macht euch jetzt während/nach der Wirtschaftskrise so optimistisch?

  • Von der Wirtschaftkrise bekommen wir nicht so viel mit, weil der Markt für Bekleidungshandel im Internet insgesamt so stark wächst. Wir müssen uns eigentlich nur darauf konzentrieren, einen möglichst großen Teil dieser neuen Online-Käufer für uns zu gewinnen. Dabei liegt unser Schwerpunkt klar im Online-Marketing. Wir bevorzugen performance-basierte Kanäle, und eine klickbasierte Abrechnung sehen wir in heutigen Zeiten als das Mindeste, was ein Werbetreibender erwarten kann. Immer wieder probieren wir auch „klassische“ Marketing-Maßnahmen aus. Die meisten dieser Maßnahmen, beispielsweise Print-Anzeigen oder TV-Spots, sind aber für unser Business-Modell nur bedingt geeignet – oder einfach völlig überteuert.

Sian: Was war in der Expansionsphase die größten Stolpersteine von 7trends?

  • Da fallen mir vor allem zwei Themen ein: Einerseits der große Kapitalbedarf, den so ein Mode-Onlinestore wie wir hat. Je schneller man wachsen möchte, desto größer wird dieser Kapitalbedarf. Andererseits der Aufbau einer vernünftigen Teamstruktur. Wenn man ständig neue Leute einstellt, dann muss man darauf achten, dass genügend „alte Hasen“ da sind, die die neuen anlernen können. In einem Unternehmen mit einem Durchschnittsalter von etwa 28 Jahren kann das eine echte Herausforderung sein.

Sian: Welche Relevanz sollte SEM & SEO für ein Start-Up haben? Sollten Gründer selbst Kenntnisse in diesem Bereich haben?

  • Das kommt ganz sicher auf das Geschäftsmodell an. Für uns als Mode- und Unterwäsche-Online-Händler sind SEM und SEO wichtige Marketing-Bausteine. Daher sollten Gründer sich entweder sehr gut damit auskennen oder aber zumindest Grundkenntnisse mitbringen und sich möglichst schnell jemanden ins Team holen, der Ahnung hat. Von der Arbeit mit Agenturen halte ich nicht so viel.

Sian: Wenn du die Zeit zurückdrehen könntest bevor du bei McKinsey angefangen hast. Glaubst du 7trends wäre auch ohne deine Erfahrung von McKinsey genauso erfolgreich geworden?

  • In den ersten Monaten bei 7trends habe ich meiner Zeit bei McKinsey recht kritisch gegenüber gestanden. Das lag vermutlich daran, dass ich gemerkt habe, wie langweilig das Berater- im Vergleich zum Unternehmerleben ist. Viele Dinge, die für eine Arbeit „im richtigen Leben“ wichtig sind, lernt man außerdem bei einer Tätigkeit als Berater nicht. Zum Beispiel, wie man unterschiedlich stark motivierte Mitarbeiter anleitet oder wie man im Tagesgeschäft Priorisierungs-Entscheidungen über knappe Ressourcen trifft. Aber mittlerweile weiß ich: Jeweils mehr als fünf Jahre Beratererfahrung haben es meinem Mitgründer Jochen Heemann und mir ermöglicht, viele Dinge in unserem Geschäft vorherzusagen bzw. zu planen, zu denen wir als Uni-Absolventen in dieser Form nicht hätten Stellung beziehen können. Wir entscheiden (fast) alles alleine und sind nicht auf regelmäßige Absprache mit unseren Investoren angewiesen, wie dies in anderen Startups mit jüngeren Gründern üblich ist. Mit anderen Worten: Ohne die McKinsey-Erfahrung hätten wir vergleichbaren Erfolg sicher nur durch mehr Entscheidungshilfe von außen haben können, in unserem Fall haben wir das meiste ganz alleine voranbringen können.

Sian: Die englische Firma ASOS hat ja ein ähnliches Geschäftskonzept. War es für eure Kapitalakquise eher hilfreich, da ein Proof-of-Concept vorhanden war,  oder war die Existenz von ASOS eher hinderlich da ASOS ja bei den VCs als potentielle Konkurrenten angesehen werden könnten?

  • Ich denke, es war eher hilfreich. Anders als zum Beispiel bei Social-Networking-Konzepten gilt für den Mode-Handel zum Glück kein „Winner Takes It All“-Prinzip. Es ist ja für H&M, Zara und C&A auch kein Problem, nebeneinander Milliardenumsätze zu erwirtschaften, obwohl sich deren Preispositionierungen in vielen Bereichen überschneiden. Daher hat uns – und auch unsere Investoren –die Frage nach der Konkurrenz durch ASOS nie sonderlich stark beschäftigt.

Sian: Was für eine Art von Support bekommt man vom Inkubator (Rocket Internet), nach einer Beteiligung?

  • Gerade zum Beginn von 7trends haben wir von Rocket eine Menge Starthilfe bekommen, insbesondere auf technischer Seite. Auch heute noch profitieren wir vom hervorragenden Rocket-Know-How, z.B. im Bereich Online-Marketing sowie von Rahmenverträgen, welche von Rocket für die Beteiligungen ausgehandelt werden und auch vom Austausch im Startup-Netzwerk.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 3 Kriterien für ein Start-Up für die Zusammenarbeit mit den Investoren?

  • Als erstes denke ich da ganz klar an eine möglichst große Transparenz über die eigenen Zahlen. Ein Investor weiß es zu schätzen, wenn man „auf Knopfdruck“ sagen kann, wo man genau steht. Wichtig ist es hierbei, mit einer Handvoll wichtiger Kennzahlen eine Top-Management-Perspektive bieten zu können. Kein Investor hat Lust, sich mit „Zahlenfriedhöfen“ in Excel zu beschäftigen. Als zweites halte ich die Erfüllung oder besser Übererfüllung der eigenen Pläne für wichtig. Mit einer unrealistischen Planung tut man niemandem einen Gefallen. Als drittes erscheint mir eine regelmäßige, proaktive Kommunikation für unabdingbar. Wer sich als Portfolio-Manager um mehrere Startups kümmert, hat keine Lust, ständig den neusten Informationen hinterherzulaufen.

Sian: Stell dir vor du könntest in 3 Start-Ups (die nicht älter sind als 12 Monate) jeweils 1 Million investieren. Welche wären das? (7trends natürlich ausgeschlossen)

  • Ehrlich gesagt lässt mein Job es derzeit nur sehr bedingt zu, mich regelmäßig über das Geschehen in der Startup-Szene zu informieren. Ich kann daher auch keine vernünftige Antwort auf diese Frage geben. Mich beeindrucken nfon und amiando, weil sie es geschafft haben, ein „uraltes“ Produkt bzw. eine seit langem existierende Dienstleistung durch das Internet neu zu erfinden. Aber beide Unternehmen sind auch schon ein wenig älter. Eins ist klar: Ich würde in kein Unternehmen investieren, dass City-, Local-, Group- oder sonst irgendwelche Deals für Gruppen anbietet. Vielleicht ein Fehler?!

Sian: Was sind die News, die ihr über euer Unternehmen in den Nachrichten lesen wollt? Wie würde diese Schlagzeile aussehen?

  • „In 2010 hat 7trends-Enamora hat seinen Umsatz im Vergleich zu 2009 verfünffacht.“

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast!

Mehr Informationen zu 7trends

http://www.7trends.de

Sebastian Sieglerschmidt von 7trends im Interview mit Sian-Ru Lai

Filed Under: Entrepreneurs, Interviews

Tags:

Comments

No Comments

Leave a reply

Name *

Mail *

Website