Christian Boris Schmidt von Ecato im Interview mit Sian-Ru Lai

Sian: Wie bist du auf den Namen Ecato und auf die Geschäftsidee gekommen?

CBS: Die Idee zu Ecato war eine logische Konsequenz aus den Erfahrungen,
die ich mit eigenen Websites seit 1998 und während meiner zweijährigen
Tätigkeit bei Zanox gesammelt habe. Der Name entstand nach unzähligen
Stunden über dutzenden Seiten voll mit Namensvorschlägen, die wir über
ein kleines Tool generiert hatten. Beim Brainstorming schrieben wir
mehrere für die Geschäftsidee relevante Begriffe wie “E-Commerce” und
“Catalyst” auf und kombinierten die Buchstaben daraus bis der Name
“Ecato” feststand – der E-Commerce Katalysator.

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Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

CBS: Später ist man meistens schlauer, aber wenn man sich auf seinen
gesunden Menschenverstand verlässt und immer nach seiner eigenen
Überzeugung handelt, kann man sich zumindest keine Vorwürfe machen.
Wichtig ist es, Dinge anzupacken, flexibel und sich treu zu bleiben.
Misserfolge sehe ich eigentlich nur in verpassten Chancen. In diesem
Sinne bin ich aber bisher weitgehend konsequent geblieben. Selbst, dass
ich das Abitur auf dem Gymnasium abgebrochen habe, hat sich später als
gar nicht so falsch herausgestellt. Denn sonst hätte ich nicht meine
IT-Ausbildung gemacht, wobei ich Andreas Mauf kennenlernte, mit dem ich seitdem eng befreundet bin und zusammen an Projekten arbeite. Als
Mitgründer und zweiter Geschäftsführer verantwortet er heute vor allem
die technische Entwicklung von Ecato. Zudem habe ich im Rahmen der
Ausbildung über ein Praktikum bei Zanox den Einstieg für meine spätere
Anstellung bekommen.

Sian: Dein Unternehmen scheint ja erfolgreich zu sein, wem gebührt der größte Dank bzw. wer hat dir am meisten geholfen?

CBS: Es sind viele Dinge, die zu meinem bisherigen Werdegang und auch
dem mit Ecato Erreichten beigetragen haben. Zum Einen die persönliche
Unterstützung insbesondere natürlich von Andreas, aber auch durch den
Rückhalt meiner Familie. Finanziell ermöglicht haben die Gründung Arend
Iven und Ron Hillmann, die 2005 ihr erstes Investment als Business Angel
bei Ecato getätigt haben. Die beiden erfolgreichen Internetunternehmer
sind mittlerweile bei einer ganzen Reihe Startups beteiligt und haben
ihre Agentur “Iven & Hillmann” an ein internationales Netzwerk verkauft.
Außerdem bietet Berlin mit seinem kreativen Umfeld und den
verhältnismäßig geringen Lebenshaltungskosten gerade für Gründer einen besonders geeigneten Standort sich zu verwirklichen.

Sian: Wie ist deine Meinung zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital”? und Warum?

CBS: Eines ist gerade in den vergangenen Wochen wieder klar geworden:
Risikokapital oder prominente Investoren machen Startups nicht
zwangsläufig erfolgreicher. Ich bin froh, dass der Hype der vergangenen
Jahre langsam, aber sicher wieder sein Ende findet. Meine Meinung ist,
dass Unternehmer gerade in unserer Branche beweisen können sollten, dass sie auch mit eigenen Mitteln wirtschaftliche Erfolge erzielen können.
Dann ist eine Wachstumsfinanzierung mit hoher Wahrscheinlichkeit auch
von weiterem Erfolg gekrönt.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

CBS: Ich denke, am wichtigsten ist es, dass man mit Leidenschaft hinter seiner Geschäftidee steht. In diesem Sinne sollte man sich auf das Produkt und erste Umsätze konzentrieren. Außerdem nützt eine Idee allein wenig, wenn keiner der Gründer diese umsetzen kann. Insofern ist ein fähiger Entwickler im Gründerteam eines Internet-Startups für mich eine wichtige Erfolgsvoraussetzung, gerade wenn man eigenständig und ohne große Finanzierung auskommen will oder muss.

Sian: Welche Tipps würdest du einem Start-Up geben?

CBS: Als Gründer sollte man sich, wie ich schon sagte, gerade zu
Beginn auf das Produkt und erste Umsätze konzentrieren. Zu oft wurde der Fehler gemacht, der Investorensuche eine zu große Bedeutung
zuzuschreiben. Einige ansich gute Ideen und Teams sind deswegen
gescheitert. Selbst die, die früh eine Finanzierung erhielten, haben es
oft nicht leicht. Denn wurde erstmal eine größere Infrastruktur
geschaffen, ist man schnell auf Folgefinanzierungen angewiesen. Diese

Abhängigkeit kann dann entsprechend zum Nachteil für die Gründer
beispielsweise bei der Bewertung werden. Bleibt die Folgefinanzierung gar aus, steht das Unternehmen schnell vor dem Ende.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups (die nicht älter sind als 12 Monate) jeweils 1 Million investieren. Welche wären das? (dich selbst natürlich ausgeschlossen)

CBS: Ganz ehrlich habe ich auf diese Frage spontan keine Antwort. Dafür beschäftige ich mich zu wenig konkret mit neuen Startups, um das sinnvoll einschätzen zu können. Wahrscheinlich würde ich das Geld jedoch nicht nur ins Internet investieren, sondern auch andere Zukunftsbranchen ins Visir nehmen.

Sian: Was sind die News, die ihr über euer Unternehmen in den
Nachrichten lesen wollt? Wie würde diese Schlagzeile aussehen?

CBS: Wir freuen uns über jeden Bericht über uns, in dem das enorme Potenzial unserer Plattform deutlich wird. Berichte von oder über Websites, die ihre Verdienste mit Ecato vervielfachen konnten, motivieren uns dabei besonders.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

CBS: Ich lese generell kaum Bücher. Zuletzt habe ich mich mit etwas Unterhaltungsliteratur auseinandergesetzt. Die meisten Bücher von Wladimir Kaminer sind nach meinem Geschmack empfehlenswert. Auch Eckart von Hirschhausen gelingt es unterhaltsam und informativ zu schreiben. Fachwissen entnehme ich aber eher digitalen Medien und persönlichen Gesprächen. Dennoch hoffe ich, dass ich auch irgendwann mal Zeit finde, ein Buch zu schreiben. Einige Ideen dazu habe ich schon.

Sian: Stell dir vor es würde kein Internet geben, was für ein Start-Up hättest du dann gegründet?

CBS: Auch diese Frage ist natürlich aus dem Bauch heraus schwer zu beantworten. Entsprechend meiner Interessen wäre es aber wohl im Bereich Journalismus oder Werbung gewesen. Vielleicht ein kleiner Verlag, eine PR-Agentur oder ein Unternehmen, das neue Werbeflächen erschließt.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast!

CBS: Immer gern!

Mehr Informationen zu Ecato:
http://www.ecato.com/

5 Comments

  • 27. März 2009 - 20:15 | Permalink

    Das Blog ist wirklich gut . Werde es mal gerade Mal speichern und nicht entmutigen lassen.

    Beste Grüße

    Bobby

  • 1. April 2009 - 03:11 | Permalink

    Als Investor darf ich kurz meine Erfahrungen zur Unternehmer-Story Ecato anreißen?

    Die ersten Monate ging Ecato schnell an den Markt. Argwöhnisch wurden gerade die Preisvergleicher. Ecato wurde nicht nur als Marktteilnehmer wahrgenommen; sondern als zukünftiger Wettbewerber. Das Fundament der Technologie könnte solchen Portalen durch Ausbau durchaus weiterhin die Stirn zeigen. Aber man geht einen anderen Weg und sucht eher permanent nach weiteren Marktplatz-Partnern, um die themenrelevanten User-Ströme aufzugreifen.

    Aggressives SEO oder Klick-Out-Traffic-Broker via Adwords standen nie zur Debatte – und da setzte ich persönlich gern auch mal gern Kritik an, da im Markt der letzten Jahre schnell wachsende Shopping-Portale ihre Exit-Strategie in diesen Kanälen sahen und leider immer noch sehen. Gerade Verlage oder TV-Sender kauften/kaufen gern derart risikovolle Reichweite im Wahn, in der Werbezielgruppe Fuss zu fassen.

    Ecato lehrte uns aber dann doch, dass die eigentlichen Affiliate-Erfahrungen der Gründer die Basis für das ursprüngliche Business-Modell sind. Ecato ist weiter streng das Produkt, welches auf Marktplätze setzt und davon lebt, dass deren Partner-Websites durch Vertrauen der User in ihren geschaffenen Content Interesse für deren dargebotene eComm-Produkte generieren.

    Wenn man über die Jahre den Markt betrachtet, dann ist Ecato der „Durchhalte-Gewinner“. Die einst „Grossen“ der Branche sind längst keine Brand/Marke in diesem Sektor mehr. Wer fragt heute noch nach den Lycos-Marktplätzen Pangora oder deren Aufkauf Mentasys. Lycos ist Geschichte. Ende 2006 wurden noch Millionen für Mentasys gezahlt. Und dann wurde durch risikofreudige Suchmaschinenoptimierung die einst extreme Reichweite verspielt. Google-Serps (Search Engine Ranking Positions) sind nun „fast“ sauber. Mittlerweile hat Lycos ganz aufgegeben. Und Froogle, Shopping.com, bizrate oder auch Kelkoo? Darüber redet auch kaum noch einer in der Branche. Geblieben sind nur Idealo und Google’s neuer Versuch, Shopping in den Serp’s zum Abverkauf anzubieten, wenn man als grosser Reseller den Abverkauf im Netz buchen möchte. Dazu kommen noch die neuen Player à la Gimahhot oder Brands4friends, die das Shopping-Erlebnis per Stilisierung auf gerade gefragte Produkte erfolgreich und immer nur gezielt temporär angehen. Derart Konzentration schafft Kundenbindung und ist weniger auf aggressives Online Marketing ausgerichtet, dass nur den Long Tail („Wir haben jedes Produkt in der Datenbank“) bedient. Ecato liegt da gerade zwischen Idealo oder Brands4Friends dauerhauft und mit Qualität.

    Und besonders hoch rechne ich Ecato an, dass dieses nervende deutsche Phänomen des “Drop Cookies“ der Affiliate-Netzwerke auf den Marktplätzen von Ecato kein Thema ist. Der Ecato-Deal per CpC (Cost per Click) basiert auf Qualität für Response und Conversion. Und wird insbesondere dadurch gehebelt, dass so genanntes „Durchleiten“ von Google-Anfragen per organischem Index oder gebuchten Adwords sowie Layer- bzw. Forced-Klicks ausgeschlossen sind.

    Wenn ich per Elevator Speech Ecato in zwei Minuten anpreissen müsste:

    - Qualitätstraffic
    - Ausgerichet auf Zielgruppen
    - Keine undurchsichtige Mediaagentur, da Performace im Vordergrund
    - Unabhängig von Beteiligungen der Verlage
    - Gründer mit ganz besonderen Skills für Markt, Produkt und Abverkauf
    - Eher extrem schlau als langweilig kreativ – clevere Internet-Berater
    - Für Merchants die Alternative gegenüber „vom Wettbewerb durchseuchten Online-Marketing-Channels“
    - Chance für den Aufbau der „believable brand“ auf Basis von Performance der Online-CPC-Kampagnen
    - Buchen auf Basis von Aquisitionskosten und kalkulierbarem Budget
    - Performance, Responce und Conversion in der Werbezielgruppe
    - Consulting fast for Free, da Macher sehr markterfahren und aktuelles Wissen bei jedem Einbuchen einbringen

  • 7. Mai 2009 - 11:49 | Permalink

    Sehr gutes Interview und ein prima Beitrag von Ron.

    An einer Stelle muss ich ihm jedoch widersprechen, auch wenn ich selber bei einem Preisvergleicher arbeite.

    Für viele Shops sind Produktsuchen eine sinnvolle Ergänzung im Marketingportfolio. Ohne irgendwelche Namen zu nennen, weiß ich genau, dass für viele Onlineshops nach Google die Preisvergleiche als Kanal an 2. Stelle in Bezug auf Budget stehen.

    Es wäre verwegen zu sagen, dass Produktsuchen mehr leisten können als Google, aber im Gesamten sind sie aus der Marketingplanung von größeren Versendern nicht mehr wegzudenken. Dies kann ich auf Basis langjähriger Erfahrung ganz klar sagen.

  • 3. Januar 2010 - 13:54 | Permalink

    Also, ich bin schon seit längerer Zeit am grübeln, ob man mit einem Preisvergleichsportal wirklich noch Geld verdienen kann? Aber wenn, dann mit dem von Ecato, da bin ich mir sicher – habe schließlich eine ganze Weile für einen Kunden an einen Projekt diesbezüglich gearbeitet. Ein paar Kleinigkeiten wären noch zu ändern – aber sonst wirklich eine der besten Lösungen.

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