Benjamin Florian Roos von Jobmensa (StudiTemps GmbH) im Interview mit Sian-Ru Lai (Teil2)
Benjamin Florian Roos von Jobmensa (StudiTemps GmbH) im Interview mit Sian-Ru Lai (Teil2)Sian: Wie hat denn das alles mit Jobmensa angefangen?
· Hallo Sian, danke für das Interview. Die Geschichte wie wir letztendlich zur Idee von Jobmensa gekommen sind ist sehr lang, ich versuchs trotzdem mal in 3 Sätzen:
Schon seit dem 2.Semester an der WHU habe ich mich mit einigen Kommilitonen mit der Idee getragen zu gründen und wir haben viele Ideen entwickelt und wieder verworfen. Die eine Idee, die wir dann alle toll fanden, fand zum Ende unseres Studentendaseins leider kein Investor so toll, aber Sie half uns mit vielen Investoren ins Gespräch zu kommen und über neue Ideen zu beratschlagen. Schließlich trennten wir das Team und Mario und Robin gründeten zusammen mit Lukasz Käuferportal und vermitteln jetzt Kopierer und Telefonanlagen; Andreas und ich entschieden uns dagegen nach dem Studium zusammen mit Holtzbrinck Ventures Jobmensa zu gründen – eine Studentenvermittlung.
Beim Namen wurde es schon schwieriger, da der Bereich der Jobvermittlungen im Internet nicht gerade neu ist und ich auch keine Lust hatte auf einen latenisch angehauchten Phantasienamen. Wo findet man als Student in der Uni einen Job bzw. Studentenjob? Am schwarzen Brett in der Mensa – der Name Jobmensa war geboren. Studentenjobs nach deinem Geschmack.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?
· Wie oben bereits erwähnt haben wir damals viel Zeit und Energie in eine Idee gesteckt, die im Endeffekt niemand so gut fand wie wir. Wir haben mit der Idee Businessplan Wettbewerbe gewonnen, aber kein Risikokapital. Hätte ich noch einmal den gleichen Job als Student bzw. während des Studiums vor mir, würde ich versuchen mein Team viel früher davon zu überzeugen, schon in einer sehr frühen konzeptionellen Phase mit einem Investor zu reden und nicht neben dem Studium eine komplette Webseite zu konzipieren und programmieren zu lassen ohne vorher Feedback zur eigentlichen Idee erhalten zu haben. Bei Jobmensa stand erst die Finnzierung und dann gings an die Umsetzung. Das ist definitiv der angenehmere Weg.
Sian: Dein Unternehmen scheint ja erfolgreich zu sein, wem gebührt der größte Dank bzw. wer hat dir am meisten geholfen?
· Der Dank gebührt meinem bzw. unserem gesamten Umfeld, meinem Mitgründer Andreas, denn man braucht einfach beim Gründen einen Sparingspartner mit dem man sich immer wieder austauschen kann, Holtzbrinck Ventures, die uns immer wieder mit Rat und Tat und vielen Connections zur Seite stehen, den alten Gamegoods gründern, die ich selbst mitten in der Nacht mit der sinnlosesten Frage zur Limited Gründung nerven kann, unserem ersten Mitarbeiter Mitch, der erfolgreich unser Call-Center am Laufen hält und natürlich meiner Freundin, die mich trotz teilweise 16h Arbeitstagen immernoch unterstützt und auch als Student bei der alten Idee unterstützt hat.
Sian: Wie ist deine Meinung zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?
· Ein gesunder Mix aus beidem ist in meinen Augen die richtige Entscheidung. Man sollte bei einem Start-Up immer versuchen, Kosten an allen Ecken und Enden zu sparen. Andreas und ich putzen bspw. immer noch selbst die Toiletten in unserem Büro, denn dafür können wir uns im Monat fast einen ganzen Praktikanten mehr leisten. Trotzdem ist es gut von Anfang an einen starken Partner und eine gute Kapitalbasis im Rücken zu haben, um seine Entscheidungen mit ein bisschen mehr Gelassenheit treffen zu können. Denn je höher das Risiko ist, desto risikofreudiger ist man auch bei seinen Entscheidungen und das kann einem bisweilen die Weitsicht nehmen. Außerdem führt eine VC Finanzierung dazu, dass man nicht nebenher noch Geld verdienen muss und somit seine gesamte Arbeitskraft in den eigentlichen Job investieren kann.
Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?
· Eine gute Idee, die nah am Geld angesiedelt ist.
· Ein gutes und eingespieltes Gründerteam.
· Gute und motivierte Mitarbeiter.
· Eine hohe Skalierbarkeit des Geschäftsmodells.
· Ein guter Investor, der einem mehr gibt als nur Geld.
· Das alles beeinflusst dann die Umsetzungsstärke des gesamten Teams, die Execution wie es so schön heißt, denn man muss immer auf dem Weg an der eigentlichen Idee pfeilen und das Geschäftsmodell ein wenig verändern.
Sian: Welche Tipps würdest du einem Start-Up geben?
· Immer und immer wieder die Kosten kontrollieren und schauen wo Einsparungen möglich sind, früh genug Feedback zu einer Idee einholen und Verbesserungsvorschläge mit einbeziehen und immer nur die besten Leute mit ins Boot holen.
Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups (die nicht älter sind als 12 Monate) jeweils 1 Million investieren. Welche wären das? (dich selbst natürlich ausgeschlossen)
· 1 Million in Käuferportal, da ich deren Konzept der Vermittlung von Telefonanlagen und Kopierern echt spannend finde,
· eine Million in Steeereo.de und
· eine Million in ein Start-Up, das momentan noch in seiner Konzeptionierungsphase ist
Sian: Was sind die News, die ihr über euer Unternehmen in den Nachrichten lesen wollt? Wie würde diese Schlagzeile aussehen?
· „Jobmensa wird neues Monster für Studenten“ – das haben wir aber leider schon als Pressemitteilung rausgegeben. Studentenvermittlung Jobmensa senkt Arbeitslosigkeit“ wäre eine schöne Schlagzeile in der Bild.
Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?
· Ich lese immer sehr viele Bücher gleichzeitig, geschäftlich immer Bücher die gerade zu meinem Fokus passen: Kundenakquise, Online Marketing, Call-Center, privat kann ich momentan sehr „Die Schocktherapie“ empfehlen. Als Gründer ist man ja immer sehr an freier Marktwirtschat interessiert und das Buch hat mir sehr schön die Schattenseiten des freien Marktes aufgezeigt.
Sian: Stell dir vor es würde kein Internet geben, was für ein Start-Up hättest du dann gegründet?
· Ohne Internet in der heutigen Zeit nach dem Studium mit reinem betriebswirtschaftlichem Hintergrund zu gründen, halte ich für fast unmöglich. Denn nur auf Märkten im Internet hat man als fertiger Student einen Vorteil gegenüber klassischen Geschäftsmodellen – man hat das gleiche oder sogar ein besseres Know-How als Konkurrenten, kennt die Zielgruppe sehr genau, man braucht geringere Anfangsinvestitionen und man kommt sehr schnell in den Markt rein. Wahrscheinlich hätte ich es aber auch mit einer Dienstleistung für Studenten versucht – vielleicht eine offline Studentenvermittlung von Studentenjobs in München oder Berlin. Wobei auch da das Internet sicher hilfreich gewesen wäre.
Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast!
Mehr Informationen zu Jobmensa
http://www.jobmensa.de/
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