Monthly Archives: Mai 2009

Allgemein

Echtzeit Berlin III

Impressionen von der Echtzeit Berlin. Scheee wars….

@Deutsche-Startups: Danke nochmal für die Einladung!

[nggallery id=1]

@Bobby (Discounto), Mischa(IBB), Roman (tulex), Felix (Amiando), Romy (High-Tech Gründerfonds), Thorsten Ölke (Autor), Jörg(Dumont Venture): Hat mich gefreut euch mal wieder zu sehen. War echt ne klasse Party!

Interviews

Jens Meiert von Google Inc. auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank, dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Webentwicklung und Wartbarkeit noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser, die nicht auf die Webinale kommen konnten, wie siehst du persönlich die Webentwicklung in den nächsten Jahren?

Jens: Durch die fortwährend steigende Popularität des Internets werden wir vermutlich weiterhin mit einigen unkonventionellen Webentwicklungspraktiken konfrontiert werden, aber die Qualität wird an der Spitze steigen. Zudem werden von mehr Internetnutzern auch viele positive Impulse ausgehen; frische Ideen zeichnet das Internet aus, es lebt davon.

Was Ladezeit und Performance anbelangt, stehen wir vermutlich der Situation gegenüber, dass Websites schnellere Internetanbindungen als Grund interpretieren, sich nicht sonderlich um kürzere Ladezeiten zu bemühen. Dies folgt einer beunruhigenden Entwicklung, die ignoriert, wie positiv die Nutzererfahrung von Geschwindigkeit beeinflusst wird.

Wer den Markt beobachtet, kann sehen, dass HTML (nicht zu verwechseln mit Beinahe-XHTML) eine Renaissance erlebt. Dies wird sicherlich durch die Arbeit an, Implementierung von und steigende Aufmerksamkeit für HTML 5 begünstigt.

Unabhängig davon wird in den nächsten Jahren noch größerer Fokus auf Webentwicklung für mobile Endgeräte liegen.

jens-meiert-sian-ru-lai-xing Sian: Hat man als Webmaster bei Google Einfluss auf die Konzernentwicklung bei Google? Wenn ja, wie und warum?

Jens: Bei Google wird es immer gern gesehen, sich einzubringen. Googles Ziel ist, die Informationen dieser Welt zu organisieren und allgemein zugänglich und nutzbar zu machen. Dabei steht der Nutzer und die Nutzererfahrung im Zentrum. Auch für die Arbeit als Webmaster schließt dies Initiative und eine proaktive, nutzerzentrierte Arbeitsweise ein.

Sian: Es gibt zahlreiche Firmen, die sich ausschließlich mit SEO beschäftigen. Auch viele Geschäftsmodelle, die hauptsächlich nur dann funktionieren, wenn der »SEO-Faktor« stimmt. Wie stehst du dazu? Würdest du als Gründer darauf setzen, dass man mit SEO wirklich auch langfristig erfolgreich sein kann?

Jens: Nützliche Inhalte und Dienstleistungen sowie eine webstandardkonforme, zugängliche technische Basis stellen für mich den Großteil von SEO dar. SEM – Suchmaschinenmarketing – ist dann natürlich bedeutsam, um sicherzustellen, dass man gefunden wird. Wer sich nur um SEO und SEM kümmert, ohne etwas zu bieten, mag seine Strategie vielleicht prüfen. Die Inhalte zählen.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge und welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

Jens: Durch meine späte Anreise am Dienstag habe ich leider einige Vorträge verpasst, und ich würde es als nicht fair empfinden, Sprecher besonders hervorzuheben – ich denke, man kann sich bei den Sprechern für viele Sessions bedanken, von denen die Zuhörer etwas mitnehmen konnten, und den Organisatoren für ihr gutes Gespür.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

Jens: (Lacht.) Glücklicherweise habe ich schon so viele Fehler gemacht, dass ich mich kaum entscheiden kann. Ich bin froh über jeden einzelnen von ihnen. Fehler sind nur dann ärgerlich, wenn man nicht aus ihnen lernt.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

Jens: Das ist eine interessante Frage; ein wenig wie die, wohin die Reise geht, wenn man ohne Steuerruder auf dem Ozean treibt. Wenn wir uns die letzten 10 Jahre anschauen, denke ich, werden wir auch in 10 Jahren noch genug zu tun haben, vor allem im Hinblick auf Webdesign und -entwicklung. Wir werden fragwürdige Praktiken kommen und gehen sehen, und einige exzellente. Die Kunst wird wieder darin bestehen, diese exzellenten Ansätze herauszufischen und zuzuschneiden und etwas Nützliches damit anzustellen.

Speziell hervorheben aber kann man »Cloud Computing«, also die Speicherung von Daten auf Servern Dritter. Bereits heute speichern viele Anwender und Unternehmer ihre Daten nicht mehr auf dem eigenen Computer, sondern speichern sie aus Sicherheits- und Kostengründen auf Servern Dritter. Dadurch wird ein Zugriff auf die eigenen Daten weltweit möglich. Einen ähnlichen Trend sieht man mit Mobile. Wenn man sich vergegenwärtigt, dass es weltweit dreimal soviele Mobiltelefone wie PCs gibt, sind in dieser Hinsicht große Entwicklungen zu erwarten. Google hat mit der Open-Source-Plattform Android einen Schritt in diese Richtung getan.

Was Deutschland anbelangt, das liegt mir persönlich sehr am Herzen, können wir als Webdesigner und Webentwickler uns in 10 Jahren hoffentlich etwas proaktiver positionieren, und das auch international. Wir haben sehr viel Talent in Deutschland, aber dies müssen wir auch nutzen, und uns nicht isolieren. Ich bin jedoch zuversichtlich, dass sich die Situation verbessern wird.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

Jens: Ich habe zuletzt »The Elements of Style« von William Strunk und E.B. White abgeschlossen, nachdem dies endlos in meiner Queue Warteschleifen geflogen ist. Ich lese mehrere Bücher parallel; hervorheben möchte ich gerade »How to Solve It« von George Pólya, ein Klassiker der Mathematik.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu Jens Meiert und Google Inc.

http://meiert.com/
http://www.google.ch/

Interviews

Dr. Alexander Linden von HumanGrid GmbH auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Crowdsourcing, eine neue Methode zur Lösung von Geschäftsproblemen im Internet noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, was waren die Key-Notes die man verpasst hat?

· Hallo Sian, gerne! Eine der Keymessages sollte sein, daß Crowdsourcing ist nicht nur interessant für Soziale Netze sondern mit Crowdsourcing kann man auch ganz normale Geschäftsprobleme lösen. Z.B. Bilderkennung, Erzeugung von Metadaten, Textklassifikation, Videoannotation, Adressdatenverfeinerung, Webrecherchen und auch Übersetzungen bzw. Texterzeugung, etc.

alexander-linden-sian-ru-lai-xing

Sian: Wenn Google irgendwann das „Translation-Problem“ sauber löst, und man mit humangrid die Fachkräfte aus den Entwicklungsländer wie Indien & China kombiniert. Welche Auswirkung wird diese Konstellation sich langfristig auf euer Geschäftsmodell & auf die Arbeitssituation in Deutschland auswirken?

· Sicher bedeutet Crowdsourcing im Grundsatz auch ein Stück mehr Globalisierung in der Arbeitswelt. Meine persönliche Meinung ist: Protektionismus schützt nur vordergründig und kurzfristig die Betroffenen und schadet mittel- und langfristig der Innovationsfähigkeit in Deutschland.

Sian: Warum hattet Ihr euch bei der Auswahl des VCs für das High-Tech Gründerfonds entschieden? Kannst du das High-Tech Gründerfonds auch anderen Web-Gründer empfehlen? Wenn ja, warum?

· Der High-Tech Gründerfonds ist eine wichtige Option in der Wagniskapital-Landschaft in Deutschland. Der High-Tech-Gründerfond ist insbesondere risikobereiter als viele VCs. Fast alle VCs, die ich kennengelernt haben, schauen sehr auf die Gründererfahrung des Gründungsteams, bzw. achten auf schon beträchtlige Umsätze (>500K€) oder wollen wenigstens auf ein in den USA bereits erfolgreiches Geschäftskonzept setzen. Alle drei Bedingungen trafen auf uns nicht zu. Wir hatten zwar auch ein Termsheet von einem anderen VC, entschieden uns jedoch für den High-Tech-Gründerfond. Bei dem muß allerdings immer eines bedenken: Jeder Prozent den der HTGF hält ist aufgrund der Darlehenskonstruktion relativ stark verwässerungsgeschützt, das gilt insbesondere bei niedrigen Folgebewertungen.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

· Insbesondere interessiert mich noch das Semantic Web, zu dem es hier auch sehr interessante Sessions gibt.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Ich habe definitiv zulange auf .NET als Webapplikationsframework gesetzt, welches meiner Erfahrung überhaupt nicht agil war. Hier muß Microsoft doch noch viel nacharbeiten. Insbesondere CloudComputing-Ansätze wie die Google Apps Engine oder Amazon Web Services scheinen mir hier äußerst vielversprechend für Startups.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Ich würde heutzutage mehr auf Bootstrapping setzen, damit man nicht zu früh in den Umsatzzwang gerät, der schnell viel Kreativität und Flexibilität vernichten kann. Insbesondere die modernen CloudComputing-Ansätze sind ideal für Bootstrapping, damit man mittelfristig die Kostenbasis sehr gering halten kann.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· Team, Idee, Marktkenntnis, gutes Netzwerk an schlauen Leuten.. und eher Ruhe bewaren als in operative Hektik ausarten.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

· Habe keine besonderen Tipps derzeit.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

· Ich denke darüber derzeit zu wenig nach, als das ich mich heute darüber auslassen möchte.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

· 1 Millionen würde ich vielleicht in eine bestimmte Crowdsourcing-Applikation stecken, über die ich aber jetzt und hier nicht reden will ;-) Die anderen 2 Millionen würde ich gerne erstmal noch sparen.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

· Das Crowdsourcing-Buch von Jeff Howe habe ich zu ca. 30% gelesen, den Rest überflogen.. Ich würde es aber nicht unbedingt empfehlen, da es zuviele Seiten und dafür zu wenig relevanten Inhalt hatte.. .. Ich lese sonst eigentlich kaum Bücher.-. die sind mir irgendwie zu länglich geschrieben..

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu HumanGrid GmbH

http://www.humangrid.de

Interviews

Christian Gummig von targa.tv auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu „Verkäufer werden zu Medien“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, um was ging es hauptsächlich in deinem Beitrag, und wie setzt targa.tv dies um?

· Vordergründig geht es um die Nutzung von Video im eCommerce und die damit unmittelbar verbundenen positiven Effekte. Hier ist targa.tv der wohl meist erfahrene Anbieter im Markt; unsere Kunden verkaufen dank unserer Inszenierungen mehr Produkt.

· Übergeordnetes Thema ist aber der Paradigmenwechsel in der Medienlandschaft, den die Digitalisierung ermöglicht und forciert: Mit dem Wegfall von Zugangsbeschränkungen zu Medienkanälen treten neben die traditionellen Medienhäuser weitere Absender medialer Inhalte, deren Geschäft bislang ganz woanders, z.B. im Handel oder in der Dienstleistung lag. Alle buhlen um die Aufmerksamkeit und die knappe Zeit der Nutzer, um unterschiedliche Geschäftsmodelle zu verfolgen.

christian-gummig-sian-ru-lai

Sian: Wäre dieses Medium auch Start-Ups zu empfehlen? Wenn ja, was sollten diese speziell beachten?

· Die Nutzung von Bewegtbild im Internet wird momentan besonders forciert und prominent behandelt. Ich bin da emotionslos: Ob sich der Einsatz für ein Unternehmen lohnt, wird immer im Einzelfall zu betrachten sein. Für viele Anbieter redaktioneller Inhalte kann es eher Fluch als Segen sein, da die Refinanzierung z.B. über Werbung häufig nicht ausreicht, Nutzer aber Video-Inhalte fordern. eCommerce-Anbieter hingegen können durch den Einsatz Ihre conversion rates steigern und damit mehr verkaufen, was dann den Videoeinsatz refinanziert. Eine „sleeping beauty“ sehe ich im Bereich interne Kommunikation bei dezentralen Strukturen: Hier können Kosten gespart werden. Sie sehen: Es kommt auf den Einzelfall an.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

· Alles rund um eCommerce ist natürlich im Fokus von targa.tv. Mich interessiert zudem „privat“ aus gegebenem Anlass ganz aktuell Möglichkeiten zur Finanzierung für eine Neugründung, die ich neben targa.tv beabsichtige. Dazu verspreche ich mir Kontakte und Anregungen. Ganz grundsätzlich faszinieren mich social networks und deren Evolution – alles, was sich mit diesem Thema beschäftigt, verfolge ich mit großer Aufmerksamkeit.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Der eine große Fehler: Zu viele kleine Fehler gemacht zu haben. Und ich ärgere mich in der Retrospektive darüber, viele Dinge nicht konsequent genug verfolgt zu haben.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Dazu habe ich keine Meinung (was ist „Bootstrapping“?)

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· Kompetenz, Erfahrung und „Chemie“ eines guten Teams

· Konsequenz und Nachhaltigkeit im Handeln

· Marktgängigkeit des Produkts

· Extreme Kundenorientierung

· Straffes Kostenmanagement

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

· Zunächst einmal: Unbedingt mich ansprechen, da meine Neugründung hoch interessant ist. Spaß beiseite: Fachlich wissen sicher die meisten Investoren, wonach sie suchen und was ihre Kriterien sind – da maße ich mir nicht an, Ratschläge zu geben. Aktuell sollte es sicher ganz grundsätzlich und allgemein darum gehen, Optimismus und kontrollierte Risikofreudigkeit zu zeigen und damit einen Beitrag zur Bewältigung der Krise zu leisten – ein Tip – eher eine Bitte – nicht nur für Investoren, sondern für alle Marktteilnehmer.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

· Digitale Kommunikation wird generell weiter an Bedeutung gewinnen, unabhängig vom Distributionskanal. Anwendungen werden konvergent, Inhalte individueller, die Anbieterlandschaft wird sich weiter verändern, z.B. weg von den traditionellen Medienhäusern. Geschäftsmodelle werden sich m.E. aber nicht dramatisch verändern.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

· Außer in meine eigene Gründung in Unternehmen, die sich gezielt auf klar adressierbare, spitze Zielgruppen und deren spezifische Bedürfnisse konzentrieren und in unmittelbare Transaktion umsetzen – oder Technologien bieten, die dies ermöglichen. Und wenn es etwas gäbe, was einen überzeugenden Beitrag zur schulischen Bildung von Kindern und Jugendlichen beiträgt, wäre ich auch gerne dabei.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

· „Beruflich“ einen interessanten und sehr amüsanten Erfahrungsbericht über Online-Dating („Ins Netz gegangen“) einer ganz besonders charmanten Autorin und Moderatorin, Judith Alwin, mit der targa.tv zusammen arbeitet. „Privat“ eine Sammlung von Kurzgeschichten von Jay McInerney, eines meiner Lieblingsautoren, der die post 9/11-Ära in New York subtil, präzise und mit meisterhaft einfacher Sprache schildert.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu targa.tv

http://targa.tv/

Interviews

Christoph Bornschein von „Torben, Lucie und die gelbe Gefahr GmbH“ auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu „Social Media, eine Marketingform überholt den Markt“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, worum ging es in deinem Vortrag in max. 2-3 Sätzen?

· Prinzipiell ging es darum darzustellen, dass viele Marken nicht bereit sind in sozialen Medien mit ihren Kunden zu kommunizieren, weil es an den entsprechenden Kommunikationsmodellen fehlt, die vorsehen, seinem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen, da er unter Umständen auch Werbeträger innerhalb seiner Möglichkeiten werden könnte. Vielen Unternehmen wird erst sehr spät klar werden, dass es im Internet für sie nicht sichtbar ein konstruktives Gespräch über sie gibt, das ihnen verschlossen bleibt.

christoph-bornschein-sian-ru-lai

Sian: du betreibst seit knapp einem Jahr deine eigene Kommunikationsagentur, konntest du auch in dieser kurzer zeit eine Änderung des digitalen Kommunikationsmarktes wahrnehmen oder ist alles gleich geblieben?

· Wenn sich nichts verändern würde, würde ich wahrscheinlich heute etwas anderes machen. Aber im Ernst, vieles hat sich verändert und so ist es heute im Gegensatz zu vor einem Jahr beispielsweise möglich, Kunden mit Hilfe von branchengleichen Showcases zumindest mal zu zeigen, was im Rahmen ihrer Branche möglich wäre. Leider werden viele der wirklich gut gemachten Cases nach wie vor in den USA gemacht, was nicht an mangelnder Kreativität der Agenturen hier, sondern viel mehr am mangelnden Bewusstsein vieler Unternehmen für das Thema liegt. Man kann da insoweit schon von einer Wissensschere sprechen.

Sian: was ist aktuell der Fokus bei der digitalen Kommunikation bzw. welche maßnahmen sind erfolgreich?

· Die Frage ist mir ehrlich gesagt etwas zu pauschal, weil es ja auf die konkrete Mission des Kunden ankommt, was für diese am besten funktioniert. Althergebrachte Online-Marketing-Tools wie Affiliate-Marketing und SEM behalten ja insgesamt ihre Berechtigung. Wenn du damit Trends meinst, dann sind das sicherlich soziale Applikationen, Empfehlungsprinzipien und allgemein Ansätze, die dialogischer sind, als man das bisher gemacht hat. Im Bereich Crowd-Sourcing passiert viel Gutes, wie man an LEGO sehen kann, es muss aber nicht immer eine gute Idee sein, wie das Wahlkampf-Signet von Frank-Walter Steinmeier beweist.

Sian: Glaubst du dass Social Media Marketing nur ein Hype ist oder langfristig gegenüber offline Kommunikation bzw. traditionelle Kommunikation bestehen kann?

· Ich bin 100% davon überzeugt, dass sich der ganze Bereich Social Media schon schnell zum Standard entwickeln wird, da ich im Gegensatz zur Klassik zwei für den Kunden wichtige Dinge tun kann, die einen Kampagnenerfolg anfassbar machen: ich kann zu jeder Zeit genau monitoren, wie meine Kampagne wirkt und habe so immer eine Kosten/Nutzen-Rechnung und ich habe einen Rückkanal vom Kunden aus. In den Belegschaften großer Agenturen kann man ja schon sehen, dass die Sparten „New/Social Media“ auf Kosten der Klassik wachsen. Das ist aus meiner Sicht nur ein erster, früher Indikator, was uns da noch bevorsteht.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

· Gestern konnte ich leider keinen der Vorträge sehen, da wir, TLGG, für unseren Kunden Frogster hier die Subkonferenz „Virtual Worlds Camp2“ organisiert haben und ich dort vor Ort war. Dieses Thema, Martin Szugat, hat es heute morgen hier auch aufgegriffen, interessiert mich augenblicklich sehr: gebrandete virtuelle Güter in der Werbung und zur Kundenbindung in sozialen Netzwerken.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Spontan würde mir kein richtig großer Mißerfolg einfallen, aber den schwärzesten Tag weiß ich noch: den hatte ich als ich letztens mal in unsere Webstatistiken schaute und feststellen musste, dass jemand unsere Firmen-Seite mit der Suchwortkombination „Christoph Bornschein bekloppt“ gefunden hatte.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Dazu habe ich keine Meinung. Bootstrapping entspricht mir persönlich mehr: man hat früher Stress und muss sich bewähren. So zeigt sich wenigstens sehr schnell, ob ein Geschäftsmodell funktioniert. VC-Kaptial würde sich für mich immer anfühlen, als hätte ich einen Riesenkredit abzutragen.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· 1. Ein Geschäftsmodell vom ersten Tag an, 2. Niedrige Anlaufinvestitionen, 3. Überdurchschnittlicher Nutzwert der Geschäftsidee und Alleinstellung dieser, 4. Solides, kompetentes Gründerteam, 5. Kommerzieller Start-Showcase möglichst nah nach Gründung.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

· Nicht jeder Pitch macht rich!

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

· Schwere Frage, ich glaube das Internet wird in seiner Nutzung lebenswichtig werden, gerade soziale Netzwerke und damit verbundene Dienste, gleichzeitig aber aus der Wahrnehmung etwas mehr verschwinden, da es normal werden wird, dass alles online passiert, man gleichzeitig aber unterwegs ist. Die mobile Nutzung sozialer Netzwerke wird auf jeden Fall noch mal alles gründlich ändern und jede Menge neuer Nutzungsmöglichkeiten hervor bringen.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

· Ich würde die 3 Millionen behalten, in kein Start-up investieren und mir so den Stress eines Investors ersparen, zwar einen Anteil zu halten, aber zum Geschäft selbst nichts beitragen zu können.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu Torben, Lucie und die gelbe Gefahr GmbH

http://www.tlgg.de

Interviews

Gerald Heydenreich von BuyVip auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Neue Trends im E-Commerce: Wie Käufer das VIP-Shopping entdecken noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du in ein paar Sätzen sagen, was die Kunden am VIP-Shopping besonders schätzen im Vergleich zum Einkauf in normalen Online-Shops?

· Es sind im wesentlichen zwei Faktoren, die VIP Shopping oder auch Private Sales vom „normalen“ eCommerce unterscheiden. Zum einen sind es natürlich die signifikaten Rabatte von bis zu 70% die wir an unsere Kunden weitergeben. Zum anderen bemühen wir uns, unseren Kunden immer wieder Marken oder Produkte näherzubringen an die sie sonst nicht gedacht hätten oder aber die sie sonst nicht hätten kaufen köennen. So hatten wir kurzlich eine Aktion mit Fendi in der man die Produkte der kommenden Saison (ende 2009) bereits jetzt kaufen konnte

Sian: Welche Kriterien sollte ein Online-Shop beachten, um die Verkaufsrate zu steigern und Bestellungsabbrüche zu vermeiden?

· An erster Stelle steht natürlich das Sortiment, dann kommt die Einfachheit des Bestell – und Bezahlprozesses und zuletzt die Qualität der Lieferung da sich diese in der zukünftigen Bewertung des Shops wiederspiegelt. Der Preis sollte als letztes Kriterium „marktfähig“ sein

gerald-heydenreich-sian-ru-lai-xing

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Vermutlich dass wir im Jahr 2000 unsere erste Firma nicht rechtzeitig verkauft haben. Aber hinterher ist man ja bekanntlich immer schlauer.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Als Start up sollte man so lange wie möglich ohne fremdes Geld auskommen da natürlich gerade am Anfang die höchste Verwässerung auftritt. Gleichzeitig sollte man aber gezielt Leute an Bord holen, die bei der strategischen Weiterentwicklung helfen koennen. Wir haben z.T. Anteile kostenlos abgegeben, wenn wir das Gefühl hatten, dass uns jemand wirklich helfen konnte.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· Ein gutes Team, eine skalierbare Geschäftsidee die ein wirkliches Kundenproblem in einem relevanten Markt adressiert , die Fähigkeit mit Misserfolgen umzugehen, Netzwerke und viel Engagement und Einsatz

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

· Siehe vorherige Frage aus der anderen Sicht.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

· Das Internet wird Teil der globalen Kommunikationsinfrastruktur werden in der Produkte, Personen und Gebäude miteinander vernetzt sind. Vermtl. wird man nicht einmal mehr vom „Internet“ sprechen da es so verwoben mit allen Teilen des täglichen Lebens ist, dass es schwer sein wird eine Grenze zu ziehen. Die wichtigste Herausforderung wird sein, ob man es schafft der Informationsmenge Herr zu werden. Heute heisst die Antwort „intelligente Suche“ aber ich glaube, dass man das Problem im Grunde bereits in der Entstehung lösen muesste.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

· Abstrakt gesprochen: Eine Firma die das Problem des „wie finde ich schnell und einfach das richtige Produkt“ löst, eine Firma die das Problem „Email“ löst und eine Firma, die das Problem „Transport“ löst.

· Konkret gesprochen: Eine Firma die sich mit Long Tail Video Commerce beschäftigt, eine Firma die sich mit Lokaler Werbung beschäftigt und eine Firma die sich mit viralem Marketing beschäftigt

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

· The Future Files lese ich gerade und ein all time favorite ist für mich „Atlas shrugged“ von Ayn Rand

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu BuyVip S.L.

http://www.buyvip.com

Interviews

Marco Fischer von „Die Firma GmbH“ auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Alles digital! – Digitale Kommunikation erhebt Führungsanspruch im B2B-Bereich noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, was sind die grundlegenden Unterschiede zwischen der Kommunikation im B2B und der Kommunikation im B2C Bereich?

· Prinzipiell gibt es da keine. Die Erkenntnisse, die in der Consumer-Kommunikation gesammelt wurden und werden, können auch auf den B2B-Bereich übertragen werden. Leider nutzen die Unternehmen diesen Umstand kaum, oder setzen die Möglichkeiten unüberlegt oder unprofessionell ein. Natürlich muss man die B2B spezifischen Besonderheiten, wie unterschiedliche Geschäfts- und Marktprinzipien und das Zusammenspiel der verschiedenen Käuferprofile bedenken. Das Internet bietet gerade hierin für Unternehmen ein riesiges Kommunikationspotential. Doch dazu genügt es nicht eine einfache Visitenkarte ins Netz zu stellen. Das ist im B2C-Markt schon angekommen und zeigt sich deutlich an der Verschiebung der Etats in Richtung digitale Kommunikation. Unser sonst so fortschrittliche Mittelstand hinkt da eindeutig hinterher.

Sian: Sie sind Inhaber und Geschäftsführer von „Die Firma“, die Neckermann zum fünften mal in Folge für Neckermann ein Casual Game aufsetzt. Was waren hier die größten Herausforderungen, und wie habt ihr diese gemeistert?

· Neckermann geht es darum, auf möglichst kostengünstige Weise neue E-Mail-Adressen und Kontakte für ihren Newsletter zu generieren. Man kann natürlich Adressen kaufen, doch das ist teuer und die Qualität ist größtenteils fraglich. Wir konnten Neckermann beweisen, dass es wesentlich kostengünstiger ist, über gut gemachte Casual Games, an wirklich qualifizierte Leads zu gelangen. Dafür muss das Game aber klar aus der Masse der im Netz angebotenen kostenlosen Spiele herausstechen und auch der Gewinnanreiz sollte ausreichend hoch sein. Die hohen Nutzerzahlen und unzähligen Feedbacks, die wir und Neckermann auf die liebevoll gestalteten Casual Games (http://casualgames.diefirma.de/) bekommen haben, zeigen, dass das wohl richtig gemacht haben.

marco-fischer-sian-ru-lai-xing

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

· Oje, schwierige Frage. Eigentlich interessiert mich nahezu jeder Vortrag. Auf dieser Konferenz kommen unterschiedliche Sicht- und Denkweisen zusammen und werden in einen großen Topf geworfen, der fast schon überkocht. Aber genau das ist das spannende, denn wir diskutieren hier die Zukunft der Kommunikation und Kommunikation ist die wichtigste Ressource in unserem Jahrhundert.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

· Ich war schon immer von Design und Kommunikation fasziniert und habe mich zu spät mit der wirtschaftlichen und finanziellen Seite des Business beschäftigt. Doch genau darin liegt der Schlüssel zum Erfolg, diese beiden Pole harmonisch miteinander zu verbinden. Das übe ich gerade noch! J

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

· Wenn Du damit meinst, lieber erstmal loslegen, eine Software programmieren und dann abwarten, was die Netzgemeinde damit macht, zum Unterschied sich ein Geschäftsmodell auszudenken, einen Businessplan zu erstellen und den Leidensweg des Geldeinsammelns zu begehen, dann kann ich nur sagen: ich weiß es nicht. Beides ist schon vorgekommen, beides hat seine Berechtigung, beide Seiten können Erfolg haben oder nicht. Das ist extrem von der Idee abhängig und davon, ob die Zeit reif ist für diese Idee. Prinzipiell bin ich aber der Überzeugung, dass erfolgreiche Entrepreneure sich vor allem durch die Umsetzung eines Geschäftsmodells auszeichnen, das ist wesentlich mehr als eine bloße Idee, die funktional umgesetzt wurde.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

· Unsere Agentur ist Mitglied bei den Business Angels Frankfurt Rhein Main (http://www.ba-frm.de/) und wir haben uns in unserer 11-jährigen Vergangenheit schon an einigen Startups beteiligt, oder Startups auf ihrem Weg kommunikativ begleitet. Business Angels sind meiner Ansicht nach fast der beste Weg, um nicht nur an Kapital, sondern auch an Netzwerke und unterstützendes Know-how zu gelangen. Aus diesem Erfahrungshintergrund kann ich jedem nur raten, sein Geschäftsmodell von allen Seiten hinterfragen zu lassen und auf das wesentliche zu konzentrieren und zumindest ein, zwei erfahrene Leute im Management-Team zu haben. Alles andere ist harte Arbeit, hohe Identifikation und extreme Motivation, die es einem ermöglicht zwei bis drei Jahre am Existenzminimun zu leben.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

· Nur Geschäftsideen weiterverfolgen, die nicht auf Werbefinanzierung setzen und die nicht damit rechnen, irgendwann ihre „Community“ teuer verkaufen zu können. Das hat den Investoren schon 2000 das Genick gebrochen und wird es wieder tun. Außerdem wird sich auch die Finanzlandschaft durch die Weltwirtschaftskrise in den nächsten Jahren extrem verändern. Es werden sich nur Geschäftsmodelle nachhaltig am Markt etablieren, die ihren Nutzern langfristig einen eindeutigen Mehrwert oder Nutzen liefern.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

· Dazu gibt es einen schönen Vortrag auf TED-Talks (http://www.ted.com/index.php/talks/kevin_kelly_on_the_next_5_000_days_of_the_web.html) vom Wired-Mitbegründer und Zukunftsforscher Kevin Kelly: Predicting the next 5000 days of the Internet. Sollte sich jeder mal anschauen und selbst Gedanken dazu machen. Ich persönlich kann mir ziemlich gut vorstellen, dass wir durch Cloudcomputing, Medienkonvergenz, Semantic Web und Ubiquitous Computing eine neue Art „Weltbewusstsein“ erzeugen, dem jeder angeschlossen ist und Informationen nicht nur entnimmt sondern auch eingibt.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

· Wir investieren gerade in ein Startup namens „publicbox“ (http://www.public-box.de/), dem würde ich sehr gerne eine dieser Millionen geben. Ansonsten würde ich die verbliebenen 2 Millionen lieber noch weiter aufteilen und Seedfinancing bei interessanten kleineren deutschen Startups betreiben, die kein Geschäftsmodell aus den USA kopieren, sondern beweisen, dass gerade auch in Deutschland intelligente Köpfe die Zukunft des Internets mitentwickeln.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

· Ich lese immer mehrere Bücher gleichzeitig. Geschäftlich habe ich mich mit dem herausragenden Ratgeber „presentation zen“ von Garr Reynolds auseinander gesetzt. Absolut empfehlenswert für jeden der beruflich präsentieren muss. Parallel dazu „Fluchtgeschwindigkeit“ von Paul Virilio, ein medienkritischer Essay aus den 90er Jahren. Auch mal interessant, sich mit den negativen Seiten der „Teletechnologien“ auseinanderzusetzen und schön zu sehen, dass die vorangegangenen Propheten nicht immer recht haben! J Zur Zerstreuung kann ich nur Tommy Jauds „Resturlaub“ empfehlen. Direkt aus dem Leben gegriffen und herrlich amüsant in seiner so gar nicht virtuellen Bodenständigkeit.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu Die Firma GmbH

http://www.diefirma.de

Interviews

Christoph Kolb von widjet auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu „Die Keule – das analoge Widget“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du die Keyfacts deines Vortrags in einigen Sätzen zusammenfassen?

Hallo Sian. In meinem Vortrag dreht sich natürlich alles um Widgets. Kleine, große, soziale, mobile … und eben auch analoge wie die Keule. Denn Widgets sind keine neue Erfindung – es ist nur ein neuer Begriff in der digitalen Welt. ich glaube dieses Bewusstsein hilft dabei, gute Widgets zu entwickeln.

Außerdem versuche ich darauf aufmerksam zu machen, dass meiner Meinung nach momentan ein zu starker Run auf wenige Kanäle betrieben wird. Facebook wird zum Beispiel von Apps nur so überschwemmt, aber bei den meisten fragt man sich zurecht, was die da überhaupt zu suchen haben – oder ob Nutzer und Unternehmen davon etwas haben.

christoph-kolb-sian-ru-lai-xing

Sian: Du bist Mitgründer der widjet GmbH, die sich auf Widget-Marketing spezialisiert hat. Welche Vorteile bietet diese Marketingform und ist sie auch für Start-Ups zu empfehlen?

Gute Widgets sind da, wo der Nutzer sie haben will oder wo er sie braucht. Darin liegt auch der größte Vorteil gegenüber Onlinewerbung: Widgets bieten Nutzen. Ohne Nutzen kein Widget. Funtionen, die mir von Nutzen sind, werden auch von mir genutzt – so einfach ist das. Auf diesem Weg können Unternehmen ihren Kunden einen Nutzen offerieren und in vielerlei Hinsicht davon profitieren.

Für Start-Ups ist Widget-Marketing insofern interessant, dass der Erfolg von Widgets von einem guten Konzept, Transparenz und persönlichem Engagement abhängt. Bei Onlinewerbung ist das Geld oft der einzige Hebel, der natürlich nicht jedem in unbegrenztem Maße zur Verfügung steht. Sauber durchdachte Widgets können gut dazu verwendet werden bestehende Services in neue Nutzungskontexte zu bringen oder Geschäftsmodelle sogar um neue Elemente zu erweitern. Da geht einiges.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

Heute mittag habe ich aufmerksam bei Gerry Heydenreich aufgepasst. Sein E-Commerce-Vortrag war es wirklich wert. Ich denke von seiner Expertise mit BuyVIP kann die deutsche Szene einiges lernen.

Gestern war Florian Baileys „Social Design & Viralität“ natürlich Pflicht für uns, um mal zu gucken, was Kollegen zu unserem Lieblingsthema sagen.

Davor hat uns Chad Nicholson geniale Einblicke in Improv Everywhere gegeben … das verfolge ich schon seit Jahren auch privat und konnte es kaum erwarten ihn mal live zu sehen.

Ehrlich gesagt, könnte ich Dir hier noch von zehn weiteren Sessions erzählen, aber das lass ich dann doch lieber.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

Ich hätte von Anfang an an Apple-Computern arbeiten sollen … Nein im Ernst, richtig große Reinfälle hat es noch nicht gegeben und die üblichen kleinen Stolperer sehe ich als absolut notwendig auf dem Weg nach vorne an.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

Ich denke da gibt es kein richtig oder falsch. Es gibt Projekte, die kann man lange Zeit eher nebenbei entwickeln und nach einem silent launch davon profitieren. Manche Unternehmungen wären aber ohne fokussierte Arbeit und entsprechendes Funding nicht realisierbar. Geht also beides. Wichtig finde ich eher, dass die Idee das Potential hat von Anfang an gesund zu wachsen und Revenue zu generieren.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

Naja den wichtigsten habe ich ja grade schon gesagt. Ich halte wenig von Modellen die auf reines Wachstum und Exit setzen. Die nächsten zwei Faktoren sind für mich ganz klar die persönliche und professionelle Qualität der Beteiligten. Die Beteiligten müssen umgänglich, belastbar und gut in dem sein, was sie tun. Dazu würde ich empfehlen Steuern und Rechtliches von Anfang an in die Hände von Profis zu geben und … hmm … eine gute Kaffemaschine! Wir schwören auf Nespresso ;)

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

Auf die gerade genannten fünf Faktoren zu achten! Auch auf die Kaffeemaschine!

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

Es gibt kein Internet. Das ist nur eine Metapher, die wir am Anfang gebraucht haben um dem Kind einen Namen zu geben. Heute haben wir es nicht mit einer Reihe von Röhren zu tun, mit Servern, IPs oder sonstwas. Wir haben hier eine digitale Welt die lebt, wächst und sich verändert. Das ist schon lange nichtmehr nur ein Medium sondern ein riesiger sozialer Organismus. Und ich kann ja auch nicht sagen, was in 10 Jahren auf der Welt passieren wird. Schade eigentlich.

Was ich mir wünsche? Weg von den Kanälen, hin zur Funktion – klar. Vor allem hoffe ich, dass unsere digitale Welt frei von ungerechtfertigter Zensur bleibt – oder sein wird …

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

Obwohl ich es nicht mehr als Start-Up bezeichnen würde, würde ich versuchen einen Anteil an BuyVIP zu bekommen … Das ist einfach ein gutes Geschäftsmodell mit hohem Potential.

Die nächste Million würde ich in SnipClip investieren, einfach weil ich sehr gespannt auf ihren virtual goods Ansatz bin und dem durchaus optimistisch entgegen sehe.

Die dritte Million würde in ein noch unter dem Radar fliegendes Projekt wandern, von dem man Großes zu erwarten hat.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

Mein letztes Buch war „The Well of Lost Plots“ von Jasper Fforde. Für mich gibt es kaum eine bessere Inspirationsquelle als gute Belletristik. Und spannend bzw. entspannend ist es nebenbei auch noch. Ich würde allerdings bei „The Eyre Affair“ einsteigen. Das ist das erste Buch der Serie :)

Als Sachbuch würde ich am ehesten den Duden empfehlen, den kenne manche noch garnicht …

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Sehr gerne, Dir auch noch viel Spaß.

Mehr Informationen zur widjet GmbH

http://www.widjet.de

Interviews

Roy Uhlmann von Qimaya auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu Semantic Web, Spreading Business into the Masses noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du in ein paar kurzen Sätzen die Keyfacts deines Vortrags zusammenfassen?

Hallo Sian, da es sich hier um ein noch recht unbekanntes Thema handelt werde ich leider etwas ausholen müssen.

Stell dir die heutige Situation im Web vor. Jedes Portal ist eine Art Insel mit Content- oder Produktangeboten. Google als eine Art Intermediär, wie auch Vermarkter verteilen die Besucherströme, die schlussendlich in Umsatz konvertieren sollen. Wir bezahlen also für relativ ungenaue Werbung, anstatt direkt für verkaufte Produkte. Manchem mag nun sofort Affiliate einfallen, aber das trifft es leider nicht. Denn Affiliate ist weder dynamisch noch voll im Content ausführbar. Adwords und Adsense ist das dynamischste, was es derzeit gibt.

Was macht nun Semantik. Sie führt dazu, dass Daten, zum Beispiel Content oder Produkte wie von einem Mensch erkannt werden können.

Wer diese Daten erkennen kann, der kann sie jedoch auch dynamisch miteinander verknüpfen. Daher wollte ich mit meinem Vortrag vor allem aufzeigen, dass Produkte von eCommerce-Providern mitsamt des Verkaufsprozesses durch Semantik selbstständig und dynamisch in den inhaltlich passenden Content integrieren werden können.

Die besagten derzeit bestehenden Insellösungen, wie auch die Schranken durch Werbung können beseitigt werden. Warum von Website A auf Website B verlinken, wenn doch das Angebot von Website A in B integriert werden kann!? Das Semantic Web führt also dazu, dass ein enormes Netzwerk aus Content- und Produktangeboten entsteht. Produktangebote sind nicht mehr nur auf die Visits des eigenen Portals beschränkt, sondern können über das gesamte Web distribuiert werden. Warum für eBusiness werben, wenn das konkrete eBusiness-Angebot direkt im Content ausgeübt werden kann. Weitaus dynamischer und exakt zum Content passend als das was wir uns heute noch unter Affiliate vorstellen.

Content-Provider generieren hierdurch zusätzliche Einnahmen, indem sie diese Distributionsplätze in ihrem Content verkaufen können. Gleichzeitig erhalten eCommerce-Provider die Möglichkeit eine enorm große Anzahl an Nutzern zu erreichen und zwar direkt am „point of interest”, im Content für den sie Interesse zeigen.

roy-uhlmann-sian-ru-lai-xing2

Sian: Du bist Gründer von Qimaya. Worum handelt es sich bei deinem Unternehmen?

Wie eben schon ausgeführt, stellen wir eine Schnittstelle zur Verfügung mittels deren wir jegliche Content- und eCommerce-Provider semantisch miteinander verknüpfen. Einen semantischen Distributionskanal. Unser Ziel ist es, dass der Nutzer künftig nicht mehr aktiv suchen muss, sondern ausgehend von seiner Einstiegsseite auf der Welle der Information surft, flankiert von jeglichen inhaltlich passenden eBusiness-Angeboten.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

Goethe sagte einmal: „Es irrt der Mensch, solang’er strebt.” Soll heißen, Fehler müssen getan werden um zu lernen, kein Fehler ist umsonst. Insofern fällt es mir schwer DIESEN einen großen Fehler zu benennen.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital”? und Warum?

Kommt auf das Business und noch vielmehr auf den Einzelfall an. Ich fühle mich nicht dazu in der Lage hier eine allgemeingültige Aussage darüber zu treffen. Letztlich sollte man sich immer vor Augen führen wofür das VC-Kapital verwendet werden soll. Für z.B. Marketingaktivitäten würde ich VC-Kapital Bootstrapping keinen Vorzug geben, denn dann scheint mir der USP des Geschäftsmodells nicht ausschlaggebend genug zu sein. Handelt es sich jedoch um technologische Entwicklungen, so ist der Schritt zu VC-Kapital manchmal unausweichlich. Gerade technologische Entwicklungen verschlingen enorme Summen, die selten beim Bootstrapping in der Anfangsphase stemmbar sind.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

Ich denke da gibt es so Viele, die sich hierzu schon sinnvoll wie auch sinnfrei zu geäußert haben. Da sollte ich mich, insbesondere da sich Qimaya selbst im ersten Drittel der Unternehmensphase befindet, nicht auch noch zu äußern.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

Liebe VC´s überlegt euch einmal durch wenn ihr euer Geld verdient. Also schafft diese bescheuerten 5 Minuten Pitches ab und sucht nicht immerwährend das nächste CopyCat, nur weil ihr euch die Fantasie fehlt eine Firma zu bewerten. Ich frage mich, wie es in diesem Umfeld eine SAP schaffen konnte.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

Ich war vor rund zwei Wochen auf dem von Thomas Cook & TourismusZukunft organisierten IdeaCamp auf Teneriffa eingeladen. Unter den 16 Teilnehmern war unter anderem auch Jochen Krisch von Exciting Commerce. Jochen halte ich im Bereich eCommerce im übrigen für einen DER Vordenker. Dort entwickelten wir in kleinen Gruppen verschiedene Thesen zur Zukunft des eTourismus, von welchen jedoch auch einige direkt auf den eCommerce allgemein zu übertragen sind. Die Gruppe, die sich mit den Visionen beschäftigte formulierte unter anderen folgende Punkte, die ich nachhaltig unterstütze.

- Medien-, Device- & Portal- unabhängige Verfügbarkeit von digital vorliegenden relevanten Informationen

- Es werden smart Zugänge entstehen: Weg von Portalen hin zu intelligenten Webzugängen (Schlüssellöchern)

- Weg vom Wettbewerbsgedanken hin zum Partnerschaftsdenken (Collaborative statt. Competitive)

- Vom Full Service zum Best Service (durch modularisierte Angebote)

- Wegfall von Marken/Domaingrenzen: Vernetzte Komplexität/Vertrauen von Marken zu Informationen

- Das Web wird sich selbst organisieren, derzeitige Strukturen verblassen

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

Der Gedanke ist mir zu fern. Ich habe keine 3 Millionen und vor allem keine Zeit an andere Startups und deren Gewinnaussichten zu denken.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

Auf ewige Empfehlung hin das Buch „Tipping Point” von Malcom Gladwell. Wem es nicht gerade auf eine wissenschaftliche Schreibweise ankommt, er aber doch eine kleine Erweiterung der Gedankenwelt erfahren möchte, dem sei es ans Herz gelegt.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Zu guter Letzt möchte ich noch kurz auf eine Veranstaltung am 19.6. in der HomeBase Berlin hinweisen. Im Rahmen des 3. Dresden Future Space wird Qimaya das SemanticCamp mit T-Systems MMS hosten. Das SemanticCamp findet neben dem Workshop Strategie 2.0 und dem Digital Life Pitch statt. Die Sessions des SemanticCamp sind zwar nicht an ein Barcamp angelehnt, da schon festgelegt, jedoch freut es umso mehr, dass wir jeden Interessierten willkommen heißen. Mehr Informationen auch unter http://www.community.dresdner-zukunftsforum.de/dresden-future-space-3

Mehr Informationen zu Qimaya

http://www.qimaya.com

Interviews

Jens Franke auf der Webinale 2009 in Berlin

Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu ” Die neue Freude an der Interaktion“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du in ein paar Sätzen die Keyfacts Fakten/Kernaussagen deines Vortrags zusammen fassen?

Interaktion ist unser täglich Brot, sei es mit Menschen oder Maschinen. Maschinen zwingen uns dabei immer wieder neue Formen des Interagierens zu erlernen, sei es für den Beruf oder auch einfach nur um Musik zu hören oder einen Film zu sehen.

In meinem Vortrag geht es um diese neuen Interaktionsformen zwischen Mensch und Maschine. Meine Vision ist nicht, dass diese Interaktion komplexer wird, sondern vielmehr, dass wir Barrieren aus dem Weg räumen, Technologien menschlicher einsetzen, um am Ende die Interaktion zwischen Menschen wieder zu stärken. In meinem Vortrag stelle ich verschiedene Ansätze vor, beleuchte die Einsatzgebiete und das Potential dieser Visionen. Dabei gehe ich neben der technischen und gestalterischen Komponente, vor allem auch auf die menschlichen Facetten ein.

Sian: Gemeinsam mit Scholz & Volkmer durftest du die interaktive Weihnachtskampagne für Coca-Cola realisieren. Was waren die größten komplexen Herausforderungen, und wie hast du es geschafft die enormen Datenmengen mit den verschiedenen Diensten von Google zu migrieren?

Ganz nach dem Motto „Bring die Welt zum Strahlen“ kann man auf Basis von Google Maps die Häuser seiner Lieben dekorieren. Aus meiner Sicht eine wunderschöne Idee, für die ich mich sofort begeistern konnte.

Rückblickend gab es dabei einige Herausforderung. Sehr fordernd war der Speicher- und Ausleseprozess der Dekorationen. Im Vorfeld konnte man nur mutmaßen wie viele Dekorationen weltweit getätigt werden und da es keine Begrenzung geben sollte, gingen wir in den Ballungszentren von einer flächendeckenden Dekorierung aus. Auch wenn ActionScript 3.0 schon viel leistungsfähiger ist, mussten wir an vielen Stellen ausgeklügelte Routinen entwickeln. Die Kernidee für das Speichern und Auslesen adaptierten wir von alten Spieleklassikern, wo man auf Bitbasis Informationen ablegte, um mit dem begrenzten Speicherplatz auszukommen. Im Client wurden diese Informationen in Bitmaps codiert und an das Backend übertragen, dass diese neuen Informationen mit den angrenzten Bereichen verrechnete.

Eine weitere Herausforderung, die ich hervorheben möchte, war das Erschaffen der passenden Weihnachtsstimmung. Die Kreation hatte in den Layouts eine hervorragende Atmosphäre erschaffen, die für viele Hürden bei der Realisierung sorgte. Wir mussten einige Modifikationen und Erweiterung für die Google Maps API implementieren, um unsere gewünschten Ziel zu erreichen. Zum Beispiel konnten wir dann je nach Detailstufe die Helligkeit und somit auch die Leuchtkraft der Dekorationen steuern. Den letzten Schliff erreichten wir durch das passende Sounddesign.

jens-franke-sian-ru-lai

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?

Sowohl privat als auch für meine Lehre an der HAWK Hildesheim im Bereich Interaction Design sind einige spannende Vorträge dabei. Einige Sprecher bearbeiten ähnliche Felder und da ist es immer wieder interessant weitere Sichtweisen kennenzulernen. So habe ich bereits die Vorträge “This Platform Called Everyday” von Kevin Slavin gesehen und werde mir auch noch den Vortrag “Wenn die Website zum Sender wird” von Patrick Jacobshagen anhören.

Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?

Den einen großen Fehler zu formulieren fällt mir schwer, aber es gibt viele kleine Fehler, die ich bis dato gemacht habe. In unserer heutigen Gesellschaft sind Fehler eigentlich nicht erlaubt, was in vielen Bereichen zu lähmenden Aktionismus führte, der sicherlich zu einer schlechteren Bewerkstelligung der jeweiligen Zielsetzung führte. Mich persönlich interessiert auch nicht wirklich, ob ein Handeln von mir in der Gesellschaft als Fehler gilt, viel wichtig ist mir, dass ich dabei ich sein kann. Wenn ich einen Fehler mache, spring ich natürlich auch nicht vor Freude im Kreis, aber ich weiß, dass mich jeder Fehler meinem Ziel ein Stück näher bringt.

Ich will damit nicht aufrufen, dass man blauäugige und naive Wege geht, aber erst durch das Ausprobieren verschiedener Wege, wird man passende und weniger passende Möglichkeiten kennenlernen. So ist der Wort Fehler vielleicht auch falsch, weil es immer etwas negatives impliziert.

Vor allem in meiner Lehre ist es mir wichtig, dass meine Studenten auch eigene Fehler machen. Sicherlich müssen sie nicht jeden der älteren Generation wiederholen, aber Fehler formen uns, sie schaffen Charakter. Gerade im Interactiondesign ist ein gesundes Verhältnis zu Fehlern essentiell, denn die perfekte Interaktion für alle Menschen gibt es nicht, und somit muss man viele Wege ausprobieren und aus vielen Fehlern seine Schlüsse ziehen, um die Interaktion für uns alle ein Stück besser zu gestalten.

Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?

Da habe ich keine Meinung zu, da es nicht mein Business ist.

Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?

Ich zitiere bei solchen Fragen immer gerne wieder Viktor Hugo: “Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.”

In der Folge sind vor allem Leidenschaft, Ehrgeiz und das richtige Abwägen und Risiko und rationalen Handeln gefragt. Auch wenn ich glaube man kann fast alles erreichen, was man sich vornimmt, so kann ein Quentchen Glück und Zufall nie schaden.

Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?

Da dieser Schlag Mensch in der Regel leider sehr profitorientiert ist, würde ich mir mehr Verantwortung, Moral und Ethik wünschen, um Ideen und Technologien für die Menschen zu entwickeln und nicht für den Kontostand Einzelner.

Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?

Das Internet hat die Welt zum globalen Dorf geformt. Fast in jedem Winkel der Welt können wir mit unseren Freunden kommunizieren und auf alle Wissensquellen zugreifen. Bei all diesen Kommunikationen sind aber immer Maschinen zwischen uns, die durch Kälte unsere Emotionen unterdrücken. Ich hoffe, dass wir in 10 Jahren nicht noch größere Geiseln der Technik werden, sondern das Internet vor allem menschlicher und emotionaler wird.

Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?

Start-Ups die durch Ideen & Technologie wieder für ein besseres Gleichgewicht in unserer Umwelt sorgen und die Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt nicht noch weiter beschneiden. Ohne Frage ein großer Wunsch, aber wir Menschen sind nur ein kleiner Teil im großen Kreislauf der Natur und sollten mehr Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen.

Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?

Die Wissenschaftsreportage und Biografie “Darwin – Das Abenteuer des Lebens” von Jürgen Neffe. Neben meinen beruflichen Interessen nehmen die Naturwissenschaften einen großen Teil ein. Die Schilderung von Neffe und die Tagebucheinträge von Darwin faszinierten mich sehr. Auf lange Sicht würde ich mein Wissen gerne auch mehr in die Dienste der Wissenschaft stellen, um gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten.

Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.

Mehr Informationen zu Jens Franke

http://www.jensfranke.com