28. Mai 2009 – 12:46
Sian: Hallo, vielen Dank dass du heute auf der Webinale nach deinem Vortrag zu ” Die neue Freude an der Interaktion“ noch kurz Zeit für mich hast. Für die Leser die nicht auf die Webinale kommen konnten, kannst du in ein paar Sätzen die Keyfacts Fakten/Kernaussagen deines Vortrags zusammen fassen?
Interaktion ist unser täglich Brot, sei es mit Menschen oder Maschinen. Maschinen zwingen uns dabei immer wieder neue Formen des Interagierens zu erlernen, sei es für den Beruf oder auch einfach nur um Musik zu hören oder einen Film zu sehen.
In meinem Vortrag geht es um diese neuen Interaktionsformen zwischen Mensch und Maschine. Meine Vision ist nicht, dass diese Interaktion komplexer wird, sondern vielmehr, dass wir Barrieren aus dem Weg räumen, Technologien menschlicher einsetzen, um am Ende die Interaktion zwischen Menschen wieder zu stärken. In meinem Vortrag stelle ich verschiedene Ansätze vor, beleuchte die Einsatzgebiete und das Potential dieser Visionen. Dabei gehe ich neben der technischen und gestalterischen Komponente, vor allem auch auf die menschlichen Facetten ein.
Sian: Gemeinsam mit Scholz & Volkmer durftest du die interaktive Weihnachtskampagne für Coca-Cola realisieren. Was waren die größten komplexen Herausforderungen, und wie hast du es geschafft die enormen Datenmengen mit den verschiedenen Diensten von Google zu migrieren?
Ganz nach dem Motto „Bring die Welt zum Strahlen“ kann man auf Basis von Google Maps die Häuser seiner Lieben dekorieren. Aus meiner Sicht eine wunderschöne Idee, für die ich mich sofort begeistern konnte.
Rückblickend gab es dabei einige Herausforderung. Sehr fordernd war der Speicher- und Ausleseprozess der Dekorationen. Im Vorfeld konnte man nur mutmaßen wie viele Dekorationen weltweit getätigt werden und da es keine Begrenzung geben sollte, gingen wir in den Ballungszentren von einer flächendeckenden Dekorierung aus. Auch wenn ActionScript 3.0 schon viel leistungsfähiger ist, mussten wir an vielen Stellen ausgeklügelte Routinen entwickeln. Die Kernidee für das Speichern und Auslesen adaptierten wir von alten Spieleklassikern, wo man auf Bitbasis Informationen ablegte, um mit dem begrenzten Speicherplatz auszukommen. Im Client wurden diese Informationen in Bitmaps codiert und an das Backend übertragen, dass diese neuen Informationen mit den angrenzten Bereichen verrechnete.
Eine weitere Herausforderung, die ich hervorheben möchte, war das Erschaffen der passenden Weihnachtsstimmung. Die Kreation hatte in den Layouts eine hervorragende Atmosphäre erschaffen, die für viele Hürden bei der Realisierung sorgte. Wir mussten einige Modifikationen und Erweiterung für die Google Maps API implementieren, um unsere gewünschten Ziel zu erreichen. Zum Beispiel konnten wir dann je nach Detailstufe die Helligkeit und somit auch die Leuchtkraft der Dekorationen steuern. Den letzten Schliff erreichten wir durch das passende Sounddesign.

Sian: Wir haben hier auf der Webinale ja noch weitere Speaker mit spannenden Themen. Ist auch für dich privat etwas dabei? Welche Vorträge & welche Speaker findest du persönlich interessant, sodass du dich auch als Hörer in die Reihen setzen wirst (oder es bereits getan hast)?
Sowohl privat als auch für meine Lehre an der HAWK Hildesheim im Bereich Interaction Design sind einige spannende Vorträge dabei. Einige Sprecher bearbeiten ähnliche Felder und da ist es immer wieder interessant weitere Sichtweisen kennenzulernen. So habe ich bereits die Vorträge “This Platform Called Everyday” von Kevin Slavin gesehen und werde mir auch noch den Vortrag “Wenn die Website zum Sender wird” von Patrick Jacobshagen anhören.
Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?
Den einen großen Fehler zu formulieren fällt mir schwer, aber es gibt viele kleine Fehler, die ich bis dato gemacht habe. In unserer heutigen Gesellschaft sind Fehler eigentlich nicht erlaubt, was in vielen Bereichen zu lähmenden Aktionismus führte, der sicherlich zu einer schlechteren Bewerkstelligung der jeweiligen Zielsetzung führte. Mich persönlich interessiert auch nicht wirklich, ob ein Handeln von mir in der Gesellschaft als Fehler gilt, viel wichtig ist mir, dass ich dabei ich sein kann. Wenn ich einen Fehler mache, spring ich natürlich auch nicht vor Freude im Kreis, aber ich weiß, dass mich jeder Fehler meinem Ziel ein Stück näher bringt.
Ich will damit nicht aufrufen, dass man blauäugige und naive Wege geht, aber erst durch das Ausprobieren verschiedener Wege, wird man passende und weniger passende Möglichkeiten kennenlernen. So ist der Wort Fehler vielleicht auch falsch, weil es immer etwas negatives impliziert.
Vor allem in meiner Lehre ist es mir wichtig, dass meine Studenten auch eigene Fehler machen. Sicherlich müssen sie nicht jeden der älteren Generation wiederholen, aber Fehler formen uns, sie schaffen Charakter. Gerade im Interactiondesign ist ein gesundes Verhältnis zu Fehlern essentiell, denn die perfekte Interaktion für alle Menschen gibt es nicht, und somit muss man viele Wege ausprobieren und aus vielen Fehlern seine Schlüsse ziehen, um die Interaktion für uns alle ein Stück besser zu gestalten.
Sian: Wie ist deine Meinung für Start-Ups zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum?
Da habe ich keine Meinung zu, da es nicht mein Business ist.
Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?
Ich zitiere bei solchen Fragen immer gerne wieder Viktor Hugo: “Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist.”
In der Folge sind vor allem Leidenschaft, Ehrgeiz und das richtige Abwägen und Risiko und rationalen Handeln gefragt. Auch wenn ich glaube man kann fast alles erreichen, was man sich vornimmt, so kann ein Quentchen Glück und Zufall nie schaden.
Sian: Welche Tipps würdest du Web-Investoren geben, die aktuell fleißig Start-Ups pitchen?
Da dieser Schlag Mensch in der Regel leider sehr profitorientiert ist, würde ich mir mehr Verantwortung, Moral und Ethik wünschen, um Ideen und Technologien für die Menschen zu entwickeln und nicht für den Kontostand Einzelner.
Sian: Wie siehst du die Entwicklung des Internets in 10 Jahren?
Das Internet hat die Welt zum globalen Dorf geformt. Fast in jedem Winkel der Welt können wir mit unseren Freunden kommunizieren und auf alle Wissensquellen zugreifen. Bei all diesen Kommunikationen sind aber immer Maschinen zwischen uns, die durch Kälte unsere Emotionen unterdrücken. Ich hoffe, dass wir in 10 Jahren nicht noch größere Geiseln der Technik werden, sondern das Internet vor allem menschlicher und emotionaler wird.
Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups jeweils 1 Million investieren. Welche wären das?
Start-Ups die durch Ideen & Technologie wieder für ein besseres Gleichgewicht in unserer Umwelt sorgen und die Lebensräume der Tier- und Pflanzenwelt nicht noch weiter beschneiden. Ohne Frage ein großer Wunsch, aber wir Menschen sind nur ein kleiner Teil im großen Kreislauf der Natur und sollten mehr Verantwortung für unsere Umwelt übernehmen.
Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?
Die Wissenschaftsreportage und Biografie “Darwin – Das Abenteuer des Lebens” von Jürgen Neffe. Neben meinen beruflichen Interessen nehmen die Naturwissenschaften einen großen Teil ein. Die Schilderung von Neffe und die Tagebucheinträge von Darwin faszinierten mich sehr. Auf lange Sicht würde ich mein Wissen gerne auch mehr in die Dienste der Wissenschaft stellen, um gemeinsam eine bessere Zukunft zu gestalten.
Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast! Ich wünsche dir weiterhin viel Spaß auf der Webinale.
Mehr Informationen zu Jens Franke
http://www.jensfranke.com