Gerald Schönbucher von Hitflip/Hitmeister im Interview mit Sian-Ru Lai
Gerald Schönbucher von Hitflip/Hitmeister im Interview mit Sian-Ru Lai
Sian: Wie bist du auf den Namen und auf die Geschäftsidee gekommen?
· Die Geschäftsidee zu Hitflip entstand während des Promotionsstudiums an der WHU. Wir hatten da nicht immer Lust, an unserer Doktorarbeit zu arbeiten und haben uns verschiedene Geschäftsmodelle überlegt. Schließlich haben wir uns für Hitflip entschieden. Hitflip setzt sich aus „Hit“ und „Flip“ zusammen, Hits, die es in allen Medienkategorien gibt, kann man „flippen“ bzw. tauschen. Es waren zudem alle relevanten Top-Level-Domains frei.
· Die Geschäftsidee zu Hitmeister entwickelten wir im Sommer 2007. Wir haben festgestellt, dass es schwierig ist, mit Hitflip in andere Produktkategorien vorzudringen. Waschmaschinen oder Fernseher z.B. tauscht man nicht, man kauft sie. Außerdem haben wir gesehen, dass es im deutschen eCommerce ein Sicherheitsdefizit gibt. Wer hat noch nicht eine Pleite mit eBay erlebt? Dieses Defizit versuchen wir mit unserem System zu schließen. Der Verkäufer erhält erst dann sein Geld, wenn der Käufer die Ware empfangen hat. Außerdem gibt es neben eBay und Amzon Marketplace noch genügend Platz für einen dritten einheimischen Player.
Sian: Was war bisher dein größter beruflicher Misserfolg? Bzw. Was war der größte Fehler den du jemals gemacht hast?
· Wir hätten vielleicht schon früher die Hitmeister-Idee entwickeln sollen. Hitflip hat sich zwar immer ganz ordentlich entwickelt, aber uns war von vorn herein klar, dass wir hinsichtlich der Produktkategorien mit Hitflip limitiert sind. Da hätten wir früher Initiative zeigen müssen.

Sian: Dein Unternehmen scheint ja erfolgreich zu sein, wem gebührt der größte Dank bzw. wer hat dir am meisten geholfen dass du mit Hitflip und Hitmeister so viel erreicht hast?
· Erstmal: WIR (meine beiden Mitgründer und alle Kollegen) haben mit der Firma etwas erreicht. Ich selbst bin nur ein Rädchen im Gesamtgefüge. Persönlich herausheben möchte ich da niemanden. Wir haben ein klasse Team, das jeden Tag dazu beiträgt, dass beide Geschäftsbereiche erfolgreicher werden.
Sian: Wie ist deine Meinung zu: “Bootstrapping vs. VC-Kapital“? und Warum? Glaubst du Hitmeister hätte es auch ohne Investment geschafft?
· Wir haben, als wir Hitflip gegründet haben, die ersten sechs Monate gebootstrapped. Das würde ich heute wieder so machen. Man lernt dabei, worauf es wirklich ankommt und achtet extrem auf die Kosten. Außerdem signalisiert man späteren Kapitalgebern, dass man bereit ist, eigenes Geld und vor allem auch die eigene Arbeitskraft unentgeltlich einzubringen. Das erhöht dann meist auch die Bewertung für die erste Finanzierungsrunde. Venture Capital kann man später immer noch aufnehmen. Das ist insbesondere dann sinnvoll, wenn ein wirklicher Proof of Concept erbracht wurde und es um die Steigerung des Wachstums geht. Hitmeister hätte man sicher ohne Investment starten können, aber für eine entsprechende Marktdurchdringung ist Kapital notwendig. Der eCommerce ist ein Haifischbecken, in dem neben eBay und Amazon auch Weltbild, Otto, Quelle und Neckermann schwimmen. Ohne eine entsprechende Kapitalausstattung könnten wir da nicht bestehen.
Sian: Was sind deiner Meinung nach die wichtigsten 5 Erfolgsfaktoren für ein Start-Up?
· Ich halte eigentlich wenig von Top-Listen. Aber letztlich ist es entscheidend, dass man mit seinem Unternehmen ein Problem löst. Für dessen Lösung sollten möglichst viele Menschen zu zahlen bereit sein, ergo der Mark muss groß sein. Dann sollte man ein gutes Team zusammenstellen und jedem im Team klare Verantwortlichkeiten geben. Dann ist das alles entscheidende die Execution bzw. das Tagesgeschäft. Ob man Erfolg hat oder nicht, bemisst sich nicht an der Qualität der Powerpoint-Folien, die man für Investorenpräsentationen malt.
Sian: Stell dir vor du hast 3 Millionen und könntest in 3 Start-Ups (die nicht älter sind als 12 Monate) jeweils 1 Million investieren. Welche wären das? (dich selbst natürlich ausgeschlossen)
· Ich bin als Business Angel bei Spendino und einem Online-Game-Entwickler (beide weniger als 12 Monate alt) investiert, die würden zwei Drittel bekommen. Das letzte Drittel würde ich für Folgefinanzierungen zurückhalten.
Sian: Was sind die News, die ihr über euer Unternehmen in den Nachrichten lesen wollt? Wie würde diese Schlagzeile aussehen?
· Hitmeister überholt eBay in Festpreistransaktionen (man muss ja Visionen haben
)
Sian: Welches Buch hast du als letztes gelesen? Welches würdest du weiterempfehlen?
· Ich lese gerade „Nachtzug nach Lissabon“ von Pascal Mercier (http://buecher.hitmeister.de/nachtzug-nach-lissabon-pascal-mercier-131957/)
· Für Gründer empfehle ich den Klassiker von Guy Kawasaki „The Art of the Start“ (http://buecher.hitmeister.de/the-art-of-the-start-the-time-tested-battle-hardened-guide-for-anyone-starting-anything-guy-kawasaki-37372/)
Sian: Stell dir vor es würde kein Internet geben, was für ein Start-Up hättest du dann gegründet?
· Vielleicht etwas im Bereich Finanzdienstleistungen. Den Zweitmarkt für Lebensversicherungen finde ich z.B. spannend. Aber da gibt es inzwischen ja auch etablierte Anbieter.
Sian: Ich danke dir, dass du dir die Zeit genommen hast!
Mehr Informationen zu Hitflip & Hitmeister:
Gerald Schönbucher von Hitflip/Hitmeister im Interview mit Sian-Ru Lai
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